
Schreibt: Muharem CERO
Man braucht nicht viel politische Fantasie, um sich Bosnien nach Lawrows Vorstellung in der kommenden Zeit vorzustellen. Die Deklamation der unantastbaren Dayton-Prinzipien über Souveränität, territoriale Integrität, die Gleichberechtigung zweier Entitäten unter ausdrücklicher Vernachlässigung der Bürger und anderer, sondern nur die Anerkennung der Gleichberechtigung dreier Ethnos (Völker) ist nichts anderes als das, was man vom russischen Bären schon kennt.
Jeder diplomatische Ausdruck sollte im breiteren Kontext der Ereignisse vor dem Gesagten und Profuturo interpretiert werden.
Der Besuch wurde schließlich abgesagt, aber das bisher Gesagte in den zuvor vorbereiteten Medienauftritten, und vor allem das bezeichnende Interview, das Lawrow dem Večernji list gab und seine pandemische präventive Umgehung Kroatiens auf seiner Balkan-Tournee, ist nichts anderes als eine beschleunigte Antwort auf den angekündigten Washingtoner Mini-Schengen.
Viele Male haben wir aus dem Mund von Botschafter Iwanzow all das gehört, was die Außenpolitik-PR der Russischen Föderation Lawrow kontinuierlich von sich gibt. Diesmal tritt er jedoch in einer doppelten Rolle als PR-Akteur auf. Gut abgestimmte und koordinierte Politik gegenüber Bosnien aus den politischen Zentren Zagreb-Belgrad.
Die Lektüre der intensiven Kurierdiplomatie im letzten Quartal auf der Strecke Zagreb-Belgrad und mit den Boten Dodik-Čović rundet nun das Gesamtbild der Planungskarte ab.
Bis zu einem gewissen Grad erschüttert durch Pompeos Besuch in Kroatien und die Aussage „wir werden Bosnien und Herzegowina auf seinem EU- und NATO-Weg voranbringen“, hat er die schmutzigen Projekte aufgewühlt, und als Antwort auf ihr wahrscheinliches Scheitern kommt nun die schwere russische Artillerie – Lawrow auf Mission.
Das Washingtoner Abkommen hat den sogenannten „Mini-Schengen“ hervorgebracht, wahrscheinlich gut koordiniert auf der Strecke USA-EU. Darauf folgte eine teils unterirdische, teils oberirdische Kurierdiplomatie.
Das Duo Čović-Dodik hat die Positionen Belgrads und Zagrebs beschleunigt abgestimmt, während im öffentlichen Raum gut gesponnenen Interpretationen dieser Ereignisse „geschoben“ wurden. Im Grunde wurde Zeit gekauft.
Die Symbolik der letzten Schachpartie in Belgrad ist nichts anderes als eine prätentiöse Ankündigung des Schachs für die bosnisch-herzegowinische Staatlichkeit.
Auch die Reaktionen auf diesen Besuch der sogenannten Sarajevischen Politik waren unbeholfen, erkennbar vergeblich und in der diplomatischen Außenpolitik unwirksam. Die ganze Geschichte um den Mini-Schengen hat aus dem politischen Diskurs von Bosnien und Herzegowina zwei unterschiedliche Zeitpunkte. Der erste skeptisch und politisch überrascht, und der zweite bedingungslos und fast freudig. Gerade diese zweite Reaktion ist es, die der russische Bär zu zerstören beabsichtigt.
Diplomatisch geschickt, ohne die amerikanische Initiative des „Mini-Schengen“ direkt zu bestreiten, schlägt er auf das Fundament des Dayton-Prozesses in Bosnien. Er fordert fast bedingungslos die Schließung des OHR und den Abzug der internationalen Gemeinschaft aus dem Prozess der Umsetzung und Auslegung des Dayton-Friedensabkommens. Anhang 10 erklärt er für beendet, unnötig und schließt ihm die Türen.
Sollte, wie es sehr wahrscheinlich ist, die Idee des „Mini-Schengen“ zum Leben erweckt werden und Bosnien und Herzegowina ohne Kandidatenstatus für die EU, klar definierten Staatsgrenzen, der nicht umgesetzten 5+2-Bedingungen für die Schließung des OHR und der Nichtumsetzung aller Entscheidungen des Verfassungsgerichts von Bosnien und Herzegowina und des Gerichtshofs von Straßburg in ein undefiniertes politisches Abenteuer nach Lawrows Maßnahme eintreten, dann wird seine Staatlichkeit, Souveränität und territoriale Integrität eine leichte Beute für die Verwirklichung der Appetits seiner Nachbarn und nach dem Maßstab unkorrigierter Kriegsziele sein.
Die Reduzierung von Bosnien und Herzegowina auf einen Raum ohne innere Selbstakzeptanz (Dodik-Čović, sprich Belgrad-Zagreb) ist möglicherweise der Beginn einer schwierigen Periode, aber nicht weniger als das Anzünden eines neuen Pulverfasses unter den Fundamenten der Region.
So sehr Lawrow mit der Autorität einer mächtigen Kraft, eines Garanten von Dayton oder eines russischen geopolitischen Interesses spricht, diesmal wird er sich den geopolitischen Interessen der Außenpolitik der US-Administration und der EU stellen müssen, unabhängig davon, welche politischen Optionen sie umsetzen.
Kommt Lawrow als Pyromane oder als Feuerwehrmann oder beides in einem.
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