Was wir aus dem Auftritt von Haris Zahiragić gelernt haben – Wenn wir den Staat mit Wissen, Rückgrat und Argumenten verteidigen würden, wäre die Geschichte über das OHR unbedeutend!

Amina Čorbo Zećo
AutorAmina Čorbo Zećo
12:42
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Was wir aus dem Auftritt von Haris Zahiragić gelernt haben – Wenn wir den Staat mit Wissen, Rückgrat und Argumenten verteidigen würden, wäre die Geschichte über das OHR unbedeutend!

Der Auftritt des SDA-Vizepräsidenten Haris Zahiragić in der Sendung „Otvoreno“ auf HRT hat in der Öffentlichkeit Bosnien und Herzegowinas, aber auch Kroatiens große Aufmerksamkeit erregt. Nicht nur wegen der besprochenen Themen, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie er staatsbildende Standpunkte vor dem Publikum im Nachbarland Kroatien vertrat.

In einer Zeit, in der die Innenpolitik oft auf Mitteilungen, die meist von Klagen durchzogen sind, gegenseitige Beschuldigungen und die Erwartung reduziert ist, dass die internationale Gemeinschaft Probleme löst, die einheimische Politiker nicht bereit oder nicht in der Lage sind zu lösen, hat Zahiragićs Auftritt eine wichtige Frage aufgeworfen: Warum sind Entschlossenheit, Argumente und politischer Mut auf der probosnischen politischen Bühne so selten geworden?

Unabhängig davon, ob man mit all seinen politischen Ansichten übereinstimmt, ist es schwer, die Tatsache zu bestreiten, dass er in Zagreb selbstbewusst, vorbereitet und argumentativ aufgetreten ist.

Er sprach weder in der Sprache der Beleidigungen noch griff er zum Populismus. Indem er Fakten über die verfassungsmäßige Ordnung Bosnien und Herzegowinas, das Wahlsystem und die Vertretung der Völker in den Institutionen darlegte, versuchte er, Narrative zu widerlegen, die seit Jahren in einem Teil des kroatischen politischen Raums verbreitet werden.

Vielleicht liegt genau hier die wichtigste Botschaft dieses Auftritts. Die Bürger Bosnien und Herzegowinas erwarten von ihren politischen Vertretern vor allem, dass sie die Interessen des Staates und der Gesellschaft mit Argumenten, Wissen und Würde verteidigen.

Letzteres wird in Zeiten allgemeiner Rückgratlosigkeit besonders geschätzt. Die Bürger erwarten Menschen, die in der Lage sind, politische Schlachten ohne Komplexe zu führen – weder gegenüber Zagreb, noch gegenüber Belgrad, noch gegenüber irgendeinem internationalen Machtzentrum. Denn am einfachsten ist es, der 'gute Junge Zagrebs' zu sein.

Zu lange wird in Bosnien und Herzegowina der Eindruck erweckt, dass die wichtigsten Probleme durch das Eingreifen von Ausländern, Botschaften, Hohen Repräsentanten oder internationalen Organisationen gelöst werden. Genau das erleben wir bei den Kontroversen um die Wahl des Nachfolgers von Christian Schmidt.

Als ob ein Landi oder Troccaz Sicherheit nach Bosnien und Herzegowina bringen würde. Sicherheit wird jedoch nicht importiert, sie entsteht tief im Inneren des Landes. So wie das Wasser im Brunnen von innen, aus dem Inneren der Erde entsteht, denn egal wie viel Wasser man in den Brunnen gießt, man kann ihn nicht füllen, solange nicht aus dem Inneren eine Quelle sprudelt.

Ein solcher Ansatz hat zu politischer Passivität und der Überzeugung geführt, dass einheimische Politiker nicht die volle Verantwortung für die Prozesse in ihrem eigenen Staat übernehmen müssen.

Keine internationale Institution kann ein größeres Interesse an Bosnien und Herzegowina haben als seine Bürger und ihre legitim gewählten Vertreter. Hilfe von außen kann nützlich sein, aber sie kann die politische Entschlossenheit innerhalb des Landes nicht ersetzen.

Deshalb ist die Resonanz auf Zahiragićs Auftritt viel größer als eine einzelne Fernsehdebatte. Viele Bürger sahen in ihm nicht nur den Vertreter einer politischen Partei, sondern ein Beispiel für einen Politiker, der bereit war, in das Studio des öffentlich-rechtlichen Rundfunks des Nachbarlandes zu gehen und seine Ansichten von Angesicht zu Angesicht zu verteidigen, ohne Vermittler und ohne Berechnungen.

Bosnien und Herzegowina fehlt es heute genau an solchen Auftritten – klaren, argumentativen und würdevollen. Es fehlen Politiker mit aufrechtem Rückgrat, die verstehen, dass Respekt nicht durch Bitten oder das Rufen von Ausländern, die unsere Schlachten führen, erlangt wird, sondern durch Wissen, Prinzipientreue und die Bereitschaft, die eigenen Standpunkte zu verteidigen, wo immer es nötig ist.

Wenn man aus dem Zagreber Gastauftritt eine allgemeine Lehre ziehen kann, dann lautet sie: Die Bürger Bosnien und Herzegowinas wollen Politiker, die genug an ihren eigenen Staat glauben, um ihn selbst zu vertreten und zu verteidigen.

Denn ein Staat, der seine Sicherheit und Zukunft nicht von innen heraus aufbaut, wird früher oder später vom Willen anderer abhängig. Und die Geschichte Bosnien und Herzegowinas hat mehrfach gezeigt, wie teuer eine solche Abhängigkeit sein kann.

 

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