
(Patria) - Der Berichterstatter des Europäischen Parlaments für Serbien, Tonino Picula, hat am Donnerstag seinen Bericht vorgelegt, in dem die Angriffe auf friedliche Demonstranten im Land und die unbegründeten Behauptungen der serbischen Behörden, dass EU-Mitgliedstaaten an der Organisation von Studentenprotesten mit dem Ziel einer „farbigen Revolution” beteiligt gewesen seien, scharf verurteilt werden.
In dem Bericht, den Picula auf der Sitzung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments vorstellte, werden „die gewaltsamen Angriffe auf friedliche Demonstranten aufs Schärfste verurteilt” und die Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass einige der Demonstranten festgenommen wurden.
„Die unbegründeten Behauptungen der serbischen Behörden, dass Mitgliedstaaten an der Organisation von Studentenprotesten mit dem Ziel einer farbigen Revolution beteiligt seien, werden nachdrücklich verurteilt”, heißt es in dem Bericht.
Ebenfalls verurteilt werden die rechtswidrigen Festnahmen und Ausweisungen von EU-Bürgern sowie die öffentliche Preisgabe personenbezogener Daten von EU-Bürgern durch verurteilte Kriegsverbrecher.
Der rechtskräftig verurteilte Kriegsverbrecher Vojislav Šešelj hatte im Januar in einer TV-Sendung personenbezogene Daten eines kroatischen Journalisten preisgegeben, einschließlich der Information über das Hotel, in dem er sich aufhielt. In derselben Sendung wurden auch Dokumente anderer kroatischer Staatsbürger sowie Daten mehrerer US-amerikanischer, griechischer und britischer Staatsbürger gezeigt.
Serbien wird aufgefordert, sich vollständig und unverzüglich den von der Europäischen Union gegen Russland verhängten Sanktionen anzuschließen.
In dem Bericht wird Serbien aufgefordert, gegen Desinformationen vorzugehen, einschließlich manipulativer Narrative gegen die EU, insbesondere gegen staatlich geförderte Desinformationskampagnen. Verurteilt wird die Eröffnung eines Büros von RT (ehemals Russia Today) in Belgrad und der Start von RTs Internet-Nachrichtendienst auf Serbisch.
Es heißt auch, dass gutnachbarschaftliche Beziehungen und regionale Zusammenarbeit Schlüsselelemente des Erweiterungsprozesses seien, und Serbien wird aufgefordert, „seine Bemühungen um Versöhnung zu verstärken, Lösungen für Streitigkeiten aus der Vergangenheit zu suchen, insbesondere was vermisste Personen betrifft”.
Gefordert wird zudem die volle Zusammenarbeit mit dem Kosovo, um die Täter des terroristischen Angriffs in Banjska im Jahr 2023 zu fassen und der Justiz zuzuführen, und es wird Bedauern darüber geäußert, dass die Schuldigen, allen voran Milan Radoičić, noch nicht strafrechtlich verfolgt wurden.
Picula betonte auch, dass es Zweifel an der außenpolitischen Ausrichtung Serbiens gebe, das als EU-Beitrittskandidat aufgrund der besonderen Beziehungen, die es zu China und Russland, den direkten geopolitischen Rivalen der EU, unterhält.
In einer Stellungnahme gegenüber Journalisten nach der Aussprache sagte Picula, er habe sich in seinem Bericht auf die Gründe konzentriert, warum Serbien, das seit 2014 verhandelt, seit einiger Zeit auf seinem europäischen Weg praktisch stagniere.
„Die Gründe sehe ich in einer Kombination innenpolitischer Elemente, aber ebenso muss der außenpolitische Aspekt analysiert werden. Was die Innenpolitik betrifft, sind zunächst die Probleme in der Rechtsstaatlichkeit, der Korruptionsbekämpfung und der Bekämpfung der organisierten Kriminalität zu bemerken, aber ebenso würde ich die Suche nach authentischer Meinungsfreiheit in Serbien hervorheben”, sagte Picula.
Der Schattenberichterstatter Davor Ivo Stier sagte, dass die ambivalente Strategie Serbiens seit etwa 15 Jahren, die ein Bündnis sowohl mit der EU, den USA, China als auch Russland suche, nun einer ernsthaften Überarbeitung bedürfe und dass die Übereinstimmung mit den Werten der EU eine Voraussetzung für Fortschritte auf dem europäischen Weg sei.
Stier sagte, dass die heutige Situation in Serbien, die von Studentenprotesten und Instabilität geprägt sei, „die Frucht bestimmter gesellschaftlicher Prozesse sei, die bereits seit längerer Zeit ablaufen”.
Alle Teilnehmer der Aussprache begrüßten Piculias Bericht als unparteiisch und objektiv, mit Ausnahme von Annamária Vicsek, einer Abgeordneten aus der Vojvodina, die auf der Liste der ungarischen Regierungspartei Fidesz ins Europäische Parlament gewählt wurde.
Sie sagte, der Bericht sei unausgewogen, voreingenommen, negative Dinge überwögen, was bei Berichten für andere Kandidatenländer nicht der Fall sei. Sie sagte auch, es sei nicht realistisch, dass Serbien seine Außenpolitik mit der der EU in Bezug auf Russland in Einklang bringe, wenn selbst die Länder innerhalb der EU hierzu nicht einstimmig seien.
Zu Piculias Bericht können die Abgeordneten bis zum 6. März Änderungsanträge einreichen, über die der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten am 23. April abstimmen wird. Anschließend werden alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments in der Plenarsitzung, voraussichtlich im Mai, über den Bericht beraten und abstimmen.
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