
(Patria) - Nach dem offiziellen Bericht über Srebrenica traten die niederländische Regierung und der Generalstabschef der Armee am 16. April 2002 zurück.
Der Bericht besagte, dass die niederländischen Friedenstruppen und die Vereinten Nationen einen Teil der Verantwortung für den Fall der Enklave im Juli 1995 in die Hände der Armee der Republika Srpska tragen und somit den Völkermord an etwa 10.000 Bosniaken zuließen.
Der Bericht wurde am 10. April 2002 vom Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation veröffentlicht.
Die niederländische Regierung betrachtete den Rücktritt als moralischen Akt, nachdem der Bericht über den Fall von Srebrenica zu dem Schluss kam, dass auch sie für den Völkermord verantwortlich sei. Der Rücktritt erfolgte vier Wochen vor den Parlamentswahlen.
Die Analyse kam zu dem Schluss, dass die blauen Helme der niederländischen Armee oder Dutchbat unvorbereitet nach Srebrenica geschickt wurden, ohne ihr Mandat zu kennen. Anschließend trafen die Minister unzureichende Entscheidungen.
Die militärische Führung hingegen verbarg Informationen vor Politikern, log buchstäblich und vertuschte Probleme, so dass neben der unbestreitbaren Verantwortung der Truppen unter der Führung des Kriegsverbrechers Ratko Mladić und der unentschlossenen internationalen Gemeinschaft auch die niederländische Regierung, wie vom Institut hervorgehoben, für den Völkermord verantwortlich sei.
Ein besonderer Teil der Geschichte ist die Einschätzung, dass die Niederländer völlig technisch, taktisch und strategisch unvorbereitet in die Srebrenica-Mission gingen, geleitet von dem aufrichtigen Wunsch, den Menschen zu helfen. Gute Absichten wurden zur Tragödie.
Den Rücktritt als moralischen Akt betrachtend, kündigte der damals äußerst prinzipientreue Umweltminister und frühere Minister für Hilfe bei der Entwicklungszusammenarbeit, Jan Pronk, seine Absichten an. Dem schloss sich Verteidigungsminister Frank de Grave an.
Da der Bericht Premierminister Wim Kok, der kurz vor dem Völkermord in Srebrenica an die Spitze der Regierung kam, für verantwortlich hält und die Verantwortung sich daher auch auf seinen Vorgänger Ruud Lubbers und das damalige Kabinett erstreckt – erhielt auch der Premierminister seinen Anteil an Kritik. Nach langer, hinter verschlossenen Türen geführter Debatte trat die Regierung zurück.
- Dies ist der schwärzeste Tag meiner politischen Karriere - erklärte der zurückgetretene Premierminister.
Bis zu den Wahlen und der Bildung einer neuen Regierungsgarnitur führte die geschäftsführende Regierung eine technische Funktion aus, d.h. sie erledigte nur laufende Angelegenheiten.
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