
(Patria) - Der Besuch des Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, in Sarajevo wirft erneut die Frage nach der Effektivität der Brüsseler Diplomatie auf dem Westbalkan auf, bringt aber auch neue Dynamik in den Kampf um die Position des Hohen Repräsentanten.
Der Professor für internationale Beziehungen, Jahja Muhasilović, sagte in der Sendung "Špica" auf TV Sarajevo, dass von diesem Besuch keine spektakulären Ergebnisse zu erwarten seien, und beschrieb ihn in erster Linie als einen Besuch "routinemäßigen Charakters".
- Die Europäische Union organisiert jedes Jahr Besuche in der Region. Manchmal sind sie multilateral, manchmal bilateral. Bosnien und Herzegowina ist als Beitrittskandidat, in dem die europäische Geschichte noch nicht vollständig abgeschlossen ist, eine obligatorische Adresse auf ihrem Terminplan - betont Muhasilović.
Was diesen Besuch jedoch von früheren unterscheidet, ist der aktuelle politische Kontext und der stille, aber heftige Kampf hinter den Kulissen um die Ernennung eines neuen Hohen Repräsentanten in BiH.
Nach Muhasilovićs Worten ist eine offensichtliche Kluft zwischen den Visionen Washingtons und Brüssels zu beobachten.
Während die Europäische Union, angeführt von Deutschland, Frankreich und der Europäischen Kommission, ihre "europäische Alternative" vorantreibt, haben die Vereinigten Staaten von Amerika ihren eigenen Favoriten. Es handelt sich um den Italiener Antonio Landi, der, obwohl er Europäer ist, von Analysten als amerikanischer Kandidat bezeichnet wird.
Muhasilović sagt, die Europäische Union versuche, ihren eigenen Mann zu positionieren, um ihren Einfluss in der sogenannten post-amerikanischen Ordnung in Europa zu behalten, aber ihre Chancen seien gering, da die Vereinigten Staaten im Friedensimplementierungsrat (PIC) nach wie vor den mit Abstand stärksten Faktor darstellten.
- Solange es auf beiden Seiten des Atlantiks ein liberales Establishment gab, unterstützten die USA die Rolle der EU auf dem Balkan. Mit dem Aufkommen pragmatischerer und aggressiverer Administrationen in Washington blieb diese Unterstützung jedoch aus.
Die Europäer sehen sich heute einer Situation gegenüber, in der die Amerikaner eine völlig alternative Politik betreiben und aggressiv politischen Raum für sich beanspruchen.
Costas Besuch in Sarajevo stellt daher einen verzweifelten Versuch Brüssels dar, seine eigene Relevanz in einem Hinterhof zu beweisen, den es seit Jahren als den seinen betrachtet, in dem aber nach wie vor im Wesentlichen Washington die Fäden zieht - schloss Muhasilović.
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