
Eine Gesellschaft, die selbst schrecklicher Gewalt, Morden, Völkermord, Zerstörung und Vertreibung ausgesetzt war, hat schnell das Gespür für solche Dinge verloren, sagte der Soziologe Jusuf Žiga und kommentierte das Verhältnis der bosnischen Öffentlichkeit zu den Ereignissen in Gaza, berichtet die bosnische Nachrichtenagentur Patria.
Bei den friedlichen Protesten in mehreren Städten in Bosnien und Herzegowina gegen die Tötungen und Gewalt in Gaza gab es nämlich keine Massenversammlungen, und die Zahl der Bürger überstieg kaum zweihundert. Andererseits wird bei der heutigen Korrida in Čevljanovići mit 50.000 Menschen gerechnet, und das sei, wie die Organisatoren angaben, ein „bescheidenerer Besuch als sonst“. Der Soziologe Žiga sagte, dies könnte damit erklärt werden, dass der Mensch eine Art von Behaglichkeit und Bequemlichkeit wünsche und in diesem Sinne nicht nur nicht hungrig sein, sondern auch etwas anderes brauche.
- Der Mensch braucht eine Art von Spielen, in denen er diese innere, geistige Seite falsch, wirklich oder wie auch immer befriedigen kann. Das ist bedingt gesagt eine Art von Opportunismus im Wesen des Menschen – so Žiga gegenüber Patria.
Er fügte hinzu, dass solche Dinge selbst für die ernsthaftesten Analytiker faszinierend und schwer zu verstehen seien.
- Vor allem, weil es sich um eine Gesellschaft handelt, die selbst eine Art von Leid durchgemacht hat, wie es in Bosnien und Herzegowina der Fall ist. Das ist sozusagen jenseits der Vernunft und einer Art Neigung des Menschen zum Absturz. Aber auf jeden Fall bedeutet das nicht, dass man einen Alibi für den Mangel an Sensibilität suchen sollte – schloss Žiga.
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