Warum wirken Nachrichten ohne Emojis kalt und gefühlslos?

Patria
AutorPatria
06:37
Podijeli:
Warum wirken Nachrichten ohne Emojis kalt und gefühlslos?

(Patria) - So sehr Emojis manchmal wie kleine gelbe Verzierungen in Nachrichten erscheinen mögen, unser Gehirn nimmt sie offensichtlich viel ernster, als wir denken.

Eine neue Studie, die im Journal "Psychophysiology" veröffentlicht wurde, zeigt, dass das menschliche Gehirn einen Emoji in den ersten Momenten kaum von einem echten menschlichen Gesicht unterscheiden kann, berichtet Index.

Mit anderen Worten, wenn wir in einer Nachricht ein lächelndes, wütendes oder trauriges Emoji sehen, reagiert das Gehirn nicht, als würde es eine gewöhnliche Zeichnung betrachten. Im Gegenteil, es verhält sich in Sekundenbruchteilen, als ob es ein echtes Gesicht vor sich hätte.

Forscher der Bournemouth University verfolgten die Gehirnaktivität von Teilnehmern, während diese Fotos von menschlichen Gesichtern und Emojis betrachteten, die verschiedene Emotionen von Freude und Trauer bis hin zu Wut und neutralem Ausdruck zeigten.

Sie verwendeten EEG-Kappen mit 64 Sensoren, und die Ergebnisse zeigten, dass die Reaktionen des Gehirns auf echte Gesichter und Emojis überraschend ähnlich waren.

Ein Emoji löste bereits nach etwa 70 Millisekunden eine Reaktion aus, während ein echtes Gesicht etwa 120 Millisekunden benötigte. Das mag auf dem Papier wie ein Unterschied klingen, aber für das Gehirn ist es eine sehr kurze Zeit.

Kurz gesagt, sobald es Augen, Mund und einen klaren Ausdruck sieht, beginnt das Gehirn sofort zu arbeiten. Das erklärt vielleicht, warum Emojis beim Schreiben so gut "ankommen".

Nachrichten ohne sie können manchmal kalt, ernst oder sogar passiv-aggressiv wirken, obwohl das überhaupt nicht die Absicht war. Ein einfaches Smiley am Ende eines Satzes ändert oft den gesamten Ton einer Nachricht.

Natürlich lässt sich das Gehirn nicht ganz so leicht täuschen. Nach der anfänglichen Reaktion erkennt es den Unterschied zwischen einem echten Gesicht und einem gezeichneten Symbol.

Echte menschliche Gesichter aktivieren immer noch bestimmte neuronale Bahnen stärker, aber Emojis haben ihren Vorteil – ihre Emotionen sind oft übertrieben und sehr klar.

Deshalb kann ein trauriges, wütendes oder lächelndes Emoji manchmal eine Botschaft schneller übermitteln als ein ganzer Satz.

In der digitalen Kommunikation, in der Stimmton, Mimik oder Körpersprache fehlen, spielen Emojis tatsächlich ein kleines Stück Menschlichkeit.

Und gerade deshalb sind sie nicht nur eine süße Ergänzung zu Nachrichten. Sie sind eine Abkürzung, mit der wir versuchen zu zeigen, wie wir uns fühlen, das Geschriebene abzumildern oder der Nachricht etwas Wärme zu verleihen.

Und wenn man dieser Studie Glauben schenken darf, nimmt unser Gehirn sie viel ernster, als wir vielleicht zugeben würden.

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