
(Patria) - Der Karl-Marx-Hof ist das längste Wohngebäude der Welt und wahrscheinlich das bekannteste Beispiel für sozialen Wohnungsbau in Wien.
Er befindet sich in Heiligenstadt in Döbling, dem 19. Wiener Gemeindebezirk, und ist eine wahre Ikone der Wohnraumerschließung des sozialistischen Wiens der 1920er und 1930er Jahre.
Er wurde auf einem Gebiet errichtet, das bis ins 12. Jahrhundert die Donau war – tief und schiffbar.
Mit der Zeit änderte sich der Lauf, der Wasserstand sank, sodass bis Mitte des 18. Jahrhunderts nur noch ein kleiner See übrig blieb.
Der Karl-Marx-Hof wurde nach dem Entwurf von Karl Ehn, einem Schüler von Otto Wagner, erbaut und 1930 nach nur dreijähriger Bauzeit fertiggestellt.
Die Ostseite des Komplexes erstreckt sich ununterbrochen über die Länge von vier Straßenbahnhaltestellen oder – einen Kilometer und fast 200 Meter. Und er hat vier Adressen.
Wien sah sich, wie andere europäische Städte, nach dem Ersten Weltkrieg mit einer großen Wohnkrise, Überbevölkerung und Massenarbeitslosigkeit konfrontiert.
Die Stadtverwaltung reagierte damals nicht mit der Umsiedlung der Bevölkerung in die Peripherie, sondern mit der Erneuerung des Stadtzentrums.
Die Idee war, die Arbeiter an ihren Arbeitsplätzen in dicht besiedelten und gut angebundenen Gemeinschaften zu halten, aber mit einem viel höheren Standard als bisher.
Karl Ehn erhielt die anspruchsvolle Aufgabe, ein Gebäude zu entwerfen, das neben erschwinglichem Wohnraum auch alle Einrichtungen für ein komfortables Leben nach modernen Standards bietet.
Schließlich sollte der Karl-Marx-Hof 5.000 Einwohner aufnehmen, sodass auch der Bedarf an nicht-wohnwirtschaftlichen Einrichtungen verständlich ist.
Mit 1.382 Wohnungen von 30-60 Quadratmetern und allen notwendigen kommunalen und sozialen Einrichtungen – Wäschereien, öffentlichen Bädern, Kindergärten, Arztpraxen, Cafés, Post, Bibliothek, Apotheke, Tierarztpraxis und Zahnarzt – ist der Karl-Marx-Hof bis heute ein Vorbild für die Planung gigantischer Wohnkomplexe geblieben.
Der bebaute Teil des Komplexes, der den Grundstücksrand folgt und an eine Festungsmauer erinnert, macht nur etwas mehr als 18 Prozent der Fläche aus. Der Rest sind gepflegte Höfe, Spielplätze und Innengärten.
Darin liegt der wahre Wert dieses architektonischen Meisterwerks – eine gute Aufteilung und durchdachte Einrichtungen, die allen Bewohnern ein gutes Leben garantieren.
Die Wohnungen im Karl-Marx-Hof gehörten zu den ersten Wohnungen in Wien mit Innentoilette, fließendem Wasser und Balkonen.
Der Komplex wurde von Zeitgenossen auch als Ringstraße des Proletariats bezeichnet, eine Paraphrase, die sich auf die Wiener Ringstraße bezieht, die einen Kreis um das Zentrum Wiens beschreibt und als Schaufenster für die Größe und den Ruhm des Habsburgerreiches gedacht war.
Während des österreichischen Bürgerkriegs 1934 bombardierten die Polizei, die österreichische Armee und paramilitärische austrofaschistische Truppen das Gebäude und unbewaffnete Bewohner, sodass der Karl-Marx-Hof auch zu einem Symbol des Antifaschismus wurde.
Heute ist das Gebäude renoviert und immer noch bewohnt, obwohl viele der ursprünglichen Einrichtungen nicht mehr existieren oder ihre Funktion geändert wurde.
So ist zum Beispiel das Gemeinschaftsbad oder Waschhaus Nr. 2 heute als Museum des „Roten Wien“ – Das Rote Wien Waschsalon – für die Öffentlichkeit zugänglich, schreibt Punkufer.
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