
(Patria) - Das Grundbuchamt des Kreisgerichts Travnik trug 2014 ein Grundstück bei Busovača in das Eigentum von „VRADIS Investicije“ ein, einem längst aufgelösten Unternehmen aus Sarajevo. Damit wurde ein seit langem verborgener fiktiver Handel aus dem Jahr 2008 mit dem Aktienhändler Zijad Blekić legalisiert.
Journalisten des Zentrums für investigative Journalismus (CIN) stellten fest, dass die Gerichtsangestellte damals nicht prüfte, ob „VRADIS Investicije“ noch existiert. Sie akzeptierte auch den Antrag auf Umschreibung des Mitarbeiters von Blekić, Edin Dizdar, obwohl dieser keine Vollmacht zur Vertretung vor Gericht vorlegte, was gegen das Gesetz über Grundbücher der Föderation Bosnien und Herzegowina (FBiH) verstößt. Obwohl der Antrag sechs Jahre nach dem Verkauf einging, wurde er am selben Tag bearbeitet, was nicht der Praxis dieser Gerichtsabteilung entspricht.
Die Leiterin des Grundbuchamtes, Maja Spahić, ist der Ansicht, dass ihre Vorgängerin, die inzwischen verstorben ist, keine Fehler gemacht hat, die die Rechtmäßigkeit der Umschreibung in Frage stellen würden. Gleichzeitig behauptet die Staatsanwaltschaft, dass die Umschreibung fehlerhaft durchgeführt wurde und Dizdar bei der umstrittenen Eintragung der Immobilie Hilfe von Personen am Gericht hatte.
„VRADIS Investicije“ wurde von engen Mitarbeitern von Blekić und Dizdar wenige Monate vor dem Kauf von Blekićs Land für 1,1 Millionen KM gegründet – viermal teurer als der Wert, der von Experten durch nachträgliche Begutachtung ermittelt wurde.
Das Unternehmen erhielt das Geld als Vergütung für die Vermittlung beim Kauf von Grundstücken für den Bau des Gebäudes der slowenischen NLB Group in Sarajevo. Das Projekt war rund 33 Millionen KM wert, und der Großteil des Geldes wurde dem Eigentümer des Landes – dem Unternehmen „Unioninvest – izgradnja objekata“ – ausgezahlt. Dieser Geschäftsplan wurde jedoch nicht umgesetzt, sondern wurde zum Gegenstand polizeilicher und staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Ihre Ermittlungen ergaben, dass „VRADIS Investicije“ keine Vermittlerrolle in dem Projekt spielte, woraufhin Blekić und eine Gruppe von Privatpersonen und deren Familienangehörigen wegen Geldwäsche in Millionenhöhe angeklagt wurden.
Details der umstrittenen Umschreibung sind teilweise in der Anklageschrift aufgeführt, die die Staatsanwaltschaft des Kantons Sarajevo gegen 19 Personen wegen Veruntreuung von 33 Millionen KM an Krediten der NLB Bank erhoben hat.
Die Staatsanwaltschaft wird im Laufe des Prozesses, der Ende Oktober begann, versuchen zu beweisen, dass der Großteil des für den Bau des Banken-Geschäftszentrums in Marijin-Dvor in Sarajevo bestimmten Geldes auf die Konten von Unternehmen überwiesen wurde, die von den Angeklagten kontrolliert wurden, und dank fiktiver Verträge auf deren Privatkonten landete.
Einer der umstrittenen Verträge war der Kaufvertrag für das Land in Busovača, den „VRADIS Investicije“ mit Zijad Blekić unterzeichnete. Blekić kaufte seit 2007 mit Nermin Brkić, einem Mitarbeiter seiner Firma „Eurohaus“, Parzellen in dieser Gegend. Auf dem Land wurden kurzzeitig Kartoffeln und Ochsen gezüchtet. Anstelle von unternehmerischem Erfolg wurde das Land zur Bühne für Geldwäsche aus einem großen Projekt in Sarajevo.
Die slowenische NLB Bank beabsichtigte 2008, attraktive Grundstücke für den Bau ihres Zentrums in Marijin-Dvor zu kaufen. Das Land wurde vom Unternehmen „Unioninvest – izgradnja objekata“ angeboten, und die Bank akzeptierte.
Anstatt eines Direktkaufs schloss die Bank jedoch eine Vereinbarung über eine Geschäftsbeziehung mit dem Projektträger – „Profin-Invest“ aus Sarajevo und mehreren anderen Unternehmen, die verschiedene Rollen bei der Umsetzung des Projekts in Marijin-Dvor erhielten. Einer der Gründer von „Profin-Invest“, Armin Mulahusić, war Direktor des Fonds, in dem Zijad Blekić der größte Aktionär war.
Die Slowenen gewährten „Profin-Invest“ ein Darlehen von 33 Millionen KM für den Kauf des Landes von „Unioninvest – izgradnja objekata“, die Erstellung des Projekts und die Erlangung von Baugenehmigungen für das zukünftige Zentrum.
Das Zentrum wurde jedoch nie gebaut, und der Großteil des Geldes wurde entgegen der Vereinbarung auf fiktive Geschäfte verschiedener Privatunternehmen umgeleitet, über die Blekić und andere die Kontrolle hatten oder deren Eigentümer sie waren, wie in der Anklageschrift beschrieben.
Anfang September 2008 zahlte „Profin-Invest“ fast 27 Millionen KM auf das Konto von „Unioninvest – izgradnja objekata“ – den Großteil des vereinbarten Preises für das Grundstück in Marijin-Dvor. Am selben Tag überwies dieses Unternehmen 1,1 Millionen KM als Vergütung für Vermittlungsdienste beim Grundstücksverkauf auf das Konto von „VRADIS Investicije“.
Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass dieses Unternehmen nicht am Verkauf vermittelt oder einen Vertrag abgeschlossen hat, der die Zahlung der Millionensumme rechtfertigen würde.
„VRADIS Investicije“ wurde von Muharem Bajrić, Blekićs Nachbar und Fahrer aus seinem „Eurohaus“, gegründet, und Ramiz Bibić, Angestellter derselben Maklerfirma, wurde zum Direktor ernannt. Zeugen sagten während der Ermittlungen aus, dass dieses Unternehmen tatsächlich von Blekić und Edin Dizdar, dem Mann, der 2014 vor dem Gericht in Travnik erschien und die Eintragung von Blekićs Land auf das nicht existierende „VRADIS Investicije“ forderte, geführt wurde.
Zehn Tage nach Erhalt der 1,1 Millionen KM für die Vermittlung überwies dieses Unternehmen das gesamte Geld auf das Privatkonto von Zijad Blekić und kaufte damit 13,4 Tausend Quadratmeter Land in Busovača. Gutachter stellten während der Ermittlungen im Jahr 2020 fest, dass das Land viermal weniger wert war. Miteigentümer des Landes, Zijad Blekić und Nermin Brkić, unterzeichneten einen Vertrag mit Bibić, dem Direktor von „VRADIS Investicije“.
Brkić sagte später den Ermittlern aus, dass Blekić Schulden hatte und sich eines Tages an ihn wandte und ihm einen Plan zur Lösung seiner Schulden vorlegte. Er bat Brkić, ihm seinen Anteil am gemeinsamen Land zu schenken, mit dem Versprechen, es nach einem Jahr wieder in sein Eigentum zurückzugeben. Brkić beschrieb, dass er und seine Frau zu dem Notar Miloš P. Jovović in Sarajevo eingeladen wurden, um den Vertrag zu unterzeichnen, da das Land Teil des ehelichen Vermögens war. Er sagte, er sei in dem Glauben gegangen, dass sie einen Schenkungsvertrag unterzeichneten:
„Der Notar legte uns einige Papiere vor, die wir unterschreiben sollten, und drängte uns, sie zu unterschreiben. (...) Weder meine Frau noch ich haben darauf geachtet, was wir unterschrieben haben.“
Brkić sagte, er habe später per Post den Vertrag erhalten, aber anstelle der versprochenen Schenkung fand er im Umschlag einen Kaufvertrag.
Trotz der ungewöhnlichen Umstände, die er beschreibt, hat Brkić nie einen Rechtsstreit zur Rückgabe seines Eigentumsanteils am Land in Busovača eingeleitet.
Brkić sagte den Ermittlern, dass Blekić ihn davon überzeugt habe, dass das Land in ihrem Eigentum bleiben würde, da „VRADIS Investicije“ sein Unternehmen sei, und dieses Versprechen habe er sechs Jahre lang gehalten.
Zijad Blekić verfügte auch nach dem Verkauf weiterhin über sein Land und baute eine Sommerresidenz, in der er Treffen mit Eigentümern von Privatunternehmen sowie Vertretern von Banken und Institutionen aus Sarajevo organisierte. Zwei Jahre später schenkte er seinen Anteil seiner Tochter Azra, die ihm die Immobilie bald wieder in ihr Eigentum zurückgab.
Blekić weigerte sich, mit einem CIN-Journalisten zu sprechen.
Auch diese Verträge wurden bei Notar Jovović abgeschlossen und das Land anschließend beim Gericht in Travnik umgeschrieben. Der Notar sagte dem CIN-Journalisten, dass er sich nicht an die Details erinnere, da dies lange her sei.
Der neue fiktive Eigentümer des Landes – das Unternehmen „VRADIS Investicije“ – wurde 2010 aufgelöst und in das Unternehmen „Unioninvest – izgradnja objekata“ integriert, dessen Direktor Edin Dizdar wurde. Anwalt Asim Crnalić sagt, dass Dizdar jahrelang nicht wusste, dass das Land nicht in das Eigentum dieses Unternehmens übergegangen war, obwohl er es leitete.
Die Immobilie war in der Geschäftsunterlage des Unternehmens als dessen Vermögen aufgeführt, aber vor Gericht stand, dass sie Blekić und Brkić gehörte, was internationalen Rechnungslegungsstandards widerspricht.
Als er 2013 davon erfuhr, fragte er Blekić, worum es gehe. „Blekić gab eine Erklärung. Dieser sagte ihm, dass es bezahlt worden sei und auf „Unioninvest“ eingetragen werden müsse, da die Angelegenheit der Fusion bereits abgeschlossen sei“, erklärt Anwalt Crnalić im Namen von Edin Dizdar, der in Untersuchungshaft ist.
So reichte Dizdar im Sommer 2014, vier Jahre nach der Auflösung von „VRADIS Investicije“ und sechs Jahre nach dem Kauf des Landes von Blekić und Brkić, beim Gericht in Travnik einen Antrag ein, das nicht existierende Unternehmen, mit dem er keine formelle Verbindung hatte, als Eigentümer einzutragen. Er legte eine Kopie des Kaufvertrags aus dem Jahr 2008 vor.
CIN-Journalisten stellten durch Einsicht in die Gerichtsunterlagen fest, dass er auch einen sechs Jahre alten Auszug aus dem Handelsregister von „VRADIS Investicije“ vorgelegt hatte. Laut diesem Dokument war Ramiz Bibić Direktor und Dizdar hatte zu diesem Zeitpunkt keine Funktion im Unternehmen. Gemäß dem Gesetz über Grundbücher der FBiH müsste der Gerichtsreferent den Antrag ablehnen, wenn er nicht von einer bevollmächtigten Person gestellt wurde.
Trotz einer Reihe von Verfahrensfehlern sagt die Leiterin des Grundbuchamtes, Maja Spahić, dass die Umschreibung rechtmäßig sei, sie es aber anders gemacht und einen aktuellen Auszug aus dem Unternehmensregister sowie einen Nachtrag zum Kaufvertrag verlangt hätte, der auf das Unternehmen „Unioninvest – izgradnja objekata“ lauten würde.
Anwalt Crnalić sagt, dass sein Mandant auf Empfehlung der damaligen Angestellten des Amtes einen Nachtrag zum Vertrag erstellt und ihn an die Steuerbehörde geschickt habe, mit der Frage, ob eine zusätzliche Steuer zu zahlen sei. Er erhielt keine Antwort und ging daher mit dem alten Vertrag in das Verfahren.
Dieser Nachtrag zum Vertrag fehlt weiterhin in den Gerichtsunterlagen in Travnik, aber CIN-Journalisten fanden dort heraus, dass die Entscheidung über die Eintragung des neuen Eigentümers am selben Tag getroffen wurde, an dem der Antrag eingereicht wurde.
Spahić sagt, dass eine solche Eile bei der Bearbeitung von Umschreibungsanträgen im Grundbuchamt nicht üblich sei.
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