
Der Tschechische Rundfunk (ČR) gab heute bekannt, dass er das Interview mit Präsident Miloš Zeman weiterhin ausstrahlen wird, obwohl der Staatschef eine Welle öffentlicher Kritik wegen einer Reihe von Vulgaritäten, die er darin geäußert hat, ausgelöst hat, berichtet die bosnische Nachrichtenagentur Patria (NAP).
Präsident Zeman sagte gestern im Gespräch mit dem ČR zunächst, dass die Regierung eines der Gesetze „verfickt“ habe, und nannte dann die Mitglieder der russischen Punkband „Pussy Riot“ „Huren“ und übersetzte das erste Wort des Bandnamens als „Fotzen“.
Zeman nannte die Mitglieder von „Pussy Riot“ allerdings indirekt, mit einer rhetorischen Wendung, „Huren“, indem er sagte: „Ich wollte Huren sagen, aber ich bin nicht Schwarzenberg (Karel Schwarzenberg, ehemaliger Chef der tschechischen Diplomatie)“.
Wegen Zeman's Wortwahl reagierte die Öffentlichkeit scharf, und Premierminister Bohuslav Sobotka bewertete, dass der Staatschef ein sehr schlechtes Vorbild für junge Menschen sei und „nicht zum Ansehen Tschechiens im Ausland beitrage“.
Der prorussisch eingestellte Zeman sagte in dem Interview, er habe die Anhänger seines Rivalen Schwarzenberg, den er bei den Präsidentschaftswahlen 2013 besiegt hatte, beeindrucken wollen, da dieser ebenfalls die Angewohnheit habe, in seinen Reden eine ähnliche Wortwahl zu verwenden. Zemans Sprecher Jiří Ovčáček sagte, der Präsident werde sich nicht für seine Worte entschuldigen, da Zeman damit eine Debatte eröffnet habe, die zuvor nicht geführt worden sei – ob es akzeptabel sei, Worte zu verwenden, die in der Politik als vulgär gelten.
Der Sprecher des Tschechischen Rundfunks, Jiří Hošna, sagte, der Rundfunk werde diese Rede weiterhin ausstrahlen, erklärte aber nicht in welcher Version – so wie sie live ausgestrahlt wurde oder eine bearbeitete Aufnahme. Nach Zeman's Rede wird in den Beschwerden, die deswegen eingingen, gefordert, dass die Aufnahme nur nach 22 Uhr ausgestrahlt und mit einer Warnung versehen wird, dass sie für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sei.
Das tschechische Portal idnes.cz eröffnete eine Umfrage mit der Frage: „Stört es Sie, wenn der Staatschef vulgäre Worte benutzt?“, auf die bisher 28.699 Menschen mit „Ja“ und nur 2.590 mit „Nein“ geantwortet haben.
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