
Vor der morgigen Beerdigung für 136 Opfer des Völkermords von Srebrenica gewinnt jede Geschichte der über 10.000 Opfer an Gewicht, schreibt die Nachrichtenagentur Patria.
Obwohl die Wunden das ganze Jahr über offen sind, fällt am 11. Juli Salz darauf, sodass sie besonders schmerzen, bezeugen die überlebenden Opfer. Die Flucht vor dem serbischen Messer durch die Wälder bei hohen Temperaturen, ohne etwas über die Liebsten zu wissen, ist eine besondere Geschichte für jeden, der lebend nach Tuzla gelangte...
In den Kolonnen und auf dem Weg des Todes blieben viele hilflos zurück und wünschten sich, getötet zu werden... Die Tschetniks, die Armee der Republika Srpska, scheuten keine Mittel, um ihr Ziel zu erreichen, möglichst viele muslimische Jungen, Väter, Brüder... Sie hatten nur ein Ziel. Sie zu töten und von der Erde zu tilgen... Es ist bekannt, dass auf die Bosniaken in den Kolonnen auch Giftgas geworfen wurde.
Ramo Smajlović, gebürtig aus Bratunac, war den ganzen Krieg über in Srebrenica. Bei Fall von Srebrenica ging er nach Tuzla und von Tuzla nach Sarajevo, wo er heute lebt. Er versucht, sagt er, etwas in Bratunac zu tun, aber all das fällt ihm so schwer, dass er sich nicht vorstellen kann, dorthin zurückzukehren.
- Meine Familie und ich hatten schwere Verluste. Drei Brüder habe ich begraben, einen Sohn, der 1975 geboren wurde. Zwei Brüder kamen in Srebrenica ums Leben, noch bevor es unter die Kontrolle der Tschetniks fiel, und meinen Sohn und einen weiteren Bruder verlor ich beim Fall von Srebrenica, als wir nach Tuzla flohen – sagt Smajlović.
Seinen Sohn begrub er im Gedenkzentrum Potočari, und die ganze Tragödie hinterließ bei ihm eine unauslöschliche Spur.
- Es war schwer in Srebrenica, ich war gefangen, viermal wurde ich verwundet... all das musste man ertragen. Beim Durchbruch wurde ich mit Giftgas vergiftet, sodass es mir nur darum ging, jemanden zu töten. Einfach, die Menschen waren so vergiftet, dass sie einander umbringen wollten – erzählt Smajlović.
Heute, 20 Jahre nach allem, spürt Smajlović die Folgen.... Seinen nie vergessenen Sohn erwähnt er oft und fragt sich, welche Art von Tod er wohl erlitten hat.
- Heute stehe ich vor Ihnen und mir laufen Schauer über den Körper. Ist es möglich, dass ein Mensch all das erträgt – fügte Smajlović hinzu.
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