Fall der illegalen Bebauung am Fluss Kruščica: Warum haben die zuständigen Behörden nicht früher reagiert?

Patria
AutorPatria
10:19
Podijeli:
Fall der illegalen Bebauung am Fluss Kruščica: Warum haben die zuständigen Behörden nicht früher reagiert?

(Patria) - Das Aarhus-Zentrum in Bosnien und Herzegowina hat ein Schreiben des Föderalen Ministeriums für Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Forstwirtschaft (FMPVŠ) erhalten, das eine Untersuchung wegen illegaler Bebauung und des Versuchs der Legalisierung einer Stützmauer am Fluss Kruščica in der Gemeinde Vitez eingeleitet hat.

Die Beschwerde wurde von einer Anwohnerin der Gemeinde Vitez zusammen mit dem Aarhus-Zentrum in Bosnien und Herzegowina eingereicht, und die Dokumentation wurde zur weiteren Bearbeitung an die zuständigen Behörden weitergeleitet.

Illegale Bebauung und Legalisierungsversuch

Gemäß dem Wassergesetz der Föderation Bosnien und Herzegowina ist die Legalisierung von Bauwerken im Wassereigentum nicht gestattet. Vor Beginn jeglicher Arbeiten im Wassereigentum ist eine vorherige wasserrechtliche Genehmigung und eine Baugenehmigung erforderlich. In diesem Fall wurde jedoch festgestellt, dass die Fundamente und die stützenden Betonmauern (1,5-2 m hoch, 46 m lang) auf einem Privatgrundstück am Fluss Kruščica ohne die erforderlichen Genehmigungen errichtet wurden.

Das kantonale Ministerium versuchte, diese Bebauung durch die Erteilung einer wasserrechtlichen Genehmigung an eine Privatperson zu legalisieren, obwohl das Wassergesetz eindeutig besagt, dass Privatpersonen keine Parteien im Verfahren sein können, wenn es um Wassereigentum geht. Die Gemeinde Vitez erteilte daraufhin auf Grundlage dieser illegalen Genehmigung auch eine Baugenehmigung, obwohl dafür eine vorherige wasserrechtliche Genehmigung erforderlich ist.

Ein weiteres Problem im Verfahren ist die Erstellung der Planungsunterlagen. Die Unterlagen für den Bestandszustand der Mauer wurden von einem Unternehmen erstellt, das gemäß den Vorschriften des FMPVŠ nicht befugt war, da es nicht auf der Liste „A“ des Ministeriums stand, was einen Verstoß gegen die Vorschriften darstellt.

Fachliche Mängel und Umweltauswirkungen

Die behördliche Aufsicht war unzureichend. Die kantonale Aufsichtsbehörde hat das Problem der illegalen Bebauung und der potenziellen Auswirkungen auf den Wasserhaushalt des Flusses Kruščica nicht richtig eingeschätzt. Anstatt die hydrologischen und hydraulischen Auswirkungen zu analysieren, konzentrierte sich die Aufsichtsbehörde ausschließlich auf eigentumsrechtliche Fakten und den Bau auf öffentlichem Wassereigentum, wodurch die Prüfung möglicher Umweltauswirkungen vernachlässigt wurde.

Die Gemeinde Vitez gab in ihrer Antwort an, dass „es zu keiner Verengung des Flusses Kruščica gekommen sei“, eine solche Behauptung wurde jedoch nicht durch fachliche Gutachten gestützt. Es stellt sich die Frage, warum, wenn keine Auswirkungen auf den Wasserlauf zu verzeichnen waren, überhaupt eine schützende Betonmauer errichtet wurde und warum das Fundament bereits 2018 saniert wurde.

Um die Situation zu klären und die Rechtmäßigkeit des Vorgehens sicherzustellen, hat das FMPVŠ folgende Schritte unternommen:

1. Einleitung einer Untersuchung: Das FMPVŠ hat eine Untersuchung eingeleitet, um alle Fakten bezüglich der Bebauung im Wassereigentum und der Erteilung illegaler Genehmigungen durch kantonale und kommunale Behörden festzustellen. Alle erteilten Genehmigungen und Zustimmungen wurden analysiert, um ihre Übereinstimmung mit dem Wassergesetz der Föderation Bosnien und Herzegowina zu prüfen.

2. Schreiben an das Föderale Justizministerium: Ein Jahr nach der Einreichung der Beschwerde durch eine Anwohnerin der Gemeinde Vitez hat das FMPVŠ ein Schreiben an das Föderale Justizministerium, die Verwaltungsinspektion, gesendet, um eine rechtliche Kontrolle und weitere gesetzmäßige Bearbeitung sicherzustellen.

3. Prüfung der Planungsunterlagen: Das Ministerium hat die Planungsunterlagen geprüft, die von einem Unternehmen erstellt wurden, das gemäß den Vorschriften des FMPVŠ nicht befugt war. Es wurden zusätzliche Kontrollen und eine Bestätigung der Richtigkeit der erteilten Unterlagen angefordert.

4. Aufforderung zur Einstellung illegaler Arbeiten: Das FMPVŠ hat die zuständigen Aufsichtsbehörden aufgefordert, alle illegalen Arbeiten an dem Standort einzustellen, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Es wurde eine Sanierung möglicher durch illegale Handlungen entstandener Schäden empfohlen.

Interessenkonflikt und Zusammenhang mit den jüngsten Überschwemmungen

Dieser Fall gewinnt angesichts der jüngsten Überschwemmungen, die Bosnien und Herzegowina heimgesucht haben, noch an Bedeutung. Es stellt sich die Frage, ob diese Infrastrukturmaßnahmen am Fluss Kruščica zu einem erhöhten Überschwemmungsrisiko und zur Störung des natürlichen Flusslaufs beigetragen haben. Obwohl die zuständigen Behörden behaupten, es gebe keine Verengung des Wasserlaufs, können die errichteten Mauern und Veränderungen im Wasserhaushalt des Flusses Indikatoren für eine schlechte oder unzureichende Wasserbewirtschaftung sein, was im Kontext des Klimawandels und immer häufigerer extremer Wetterereignisse besonders gefährlich ist.

Es besteht ein begründeter Verdacht auf einen Interessenkonflikt, da kantonale und kommunale Organe Genehmigungen an Privatpersonen ohne die erforderlichen Fachgutachten und unter Verstoß gegen die Vorschriften erteilt haben. Der teilweise und fachlich unzureichende Schutz nur eines Flussufers hat die Rechte benachbarter Grundstücke beeinträchtigt und damit die Rechte der lokalen Bevölkerung und der Anwohnerin, die die Beschwerde eingereicht hat, verletzt.

Dieser Fall weist auf ernsthafte Probleme in der Verwaltung hin, einschließlich Verzögerungen bei Reaktionen, möglicher Interessenkonflikte und mangelnder Effektivität bei der Umsetzung gesetzlicher Maßnahmen zum Schutz von Wassergütern. Es stellt sich die Frage, wie sich solche Versäumnisse auf das tägliche Leben der Anwohner und die Risiken von Naturkatastrophen auswirken. Die jüngsten Überschwemmungen haben deutlich gezeigt, dass illegale Bebauung weitreichende Folgen haben kann, und es ist unerlässlich, dass die zuständigen Behörden rechtzeitig reagieren und sowohl Wasserressourcen als auch die Bevölkerung angemessen schützen.

Die Schlussfolgerung der Beschwerde ist, dass alle bisherigen Entscheidungen und Verfahren der zuständigen Behörden, einschließlich der kantonalen und kommunalen Behörden, überprüft werden müssen, um die Rechtmäßigkeit bei der Erteilung von Genehmigungen sicherzustellen und weitere illegale Bebauungen an Wassergütern zu verhindern. Die Beschwerde betont, dass die bisherigen Handlungen im Widerspruch zum Wassergesetz der Föderation Bosnien und Herzegowina standen und dass die zuständigen Behörden wichtige hydrologische Aspekte und mögliche Umweltauswirkungen vernachlässigt haben.

„Die zuständigen Behörden, einschließlich des FMPVŠ, müssen ihre Verfahren überprüfen und die interinstitutionelle Zusammenarbeit verbessern, um ähnliche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Transparenz und Verantwortung gegenüber den Anwohnern und natürlichen Ressourcen sollten an erster Stelle stehen, um neue ökologische und bauliche Krisen zu verhindern“, betonte Emina Veljović, Geschäftsführerin des Aarhus-Zentrums in Bosnien und Herzegowina.

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