Vorletzter Aufruf zur Mobilisierung

Patria
AutorPatria
02:00
Podijeli:
Vorletzter Aufruf zur Mobilisierung

Es klingt etwas naiv und unbeholfen, wenn bosniakische Politiker über die erneute / ständige Leugnung des Völkermords an Bosniaken im letzten Krieg überrascht sind. MD erzählt seit Jahren dieselbe Geschichte mit geringfügigen Variationen zum Thema... alle paar Mal brabbelt er einen Unsinn, den „nicht einmal ein Hund mit Butter fressen würde“ und, da bin ich mir sicher, er stirbt irgendwo vor Lachen, wie sie wieder, unglaublich fehlerfrei, auf denselben Trick hereingefallen sind.

Gibt es wirklich jemanden in diesem Land, der ernsthaft von irgendeinem der Politiker aus der RS erwartet, dass er sagt: „Jawohl... wir haben euch getötet... entschuldigt, es ist uns passiert... es ist uns entglitten... wir haben uns mitreißen lassen... was sollen wir jetzt sagen... wir werden es nie wieder tun... ihr wisst, wie es ist, wenn man trinkt (ja, verzeiht, ihr trinkt nicht, also wisst ihr es nicht)... hier, was wollt ihr, dass wir tun, um uns zu entschuldigen...?!“ Gemessen an den Aussagen der überwiegenden Mehrheit der bosniakischen Politiker, unglaublich genug für sich, aber einige stellen ernsthaft ihre geistige Gesundheit in Frage. Die Erwartung, dass jemand einen Völkermord anerkennt, ist genauso wie die Erwartung, dass die politische Garnitur aus Banja Luka von sich aus die Abschaffung der RS erklärt. Zu dieser Behauptung passt auch die Stimme der Vertreter dieser „internationalen Gemeinschaft“, sowohl im Land als auch diejenigen, die aus Brüssel und Straßburg kommen: „Nun... ihr habt ein Urteil bekommen... er wurde verurteilt... gehen wir weiter, bildet eine Regierung...!“

Erstens ist das großserbische Projekt für alle Serben eine zu ernste Angelegenheit, als dass sie es dem Zufall überlassen würden. Ich bin sicher, dass sie seit 2016, als RK durch ein erstinstanzliches Urteil zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, AV – damals in der Funktion des Premierministers – eine außerordentliche Sitzung seiner Regierung mit nur einem Tagesordnungspunkt einberufen hat – das Urteil und die Annullierung seiner Folgen in Form von kollektiver Schuld und Verantwortung „wegen der von Einzelpersonen begangenen Verbrechen“ – alles getan haben, was in ihrer Macht stand – von der Aktivierung der Diplomatie und Subdiplomatie bis hin zur Lobbyarbeit / dem Kauf der einflussreichsten Personen, die für irgendetwas zuständig sind. Vom Erfolg dieser Aktion, von der ich keine Ahnung habe, spricht auch die Tatsache, dass AV – jetzt in der Funktion des Präsidenten – nach der Berufung und dem Urteil nicht einmal angefangen hat. Aus dem Berufungsurteil von RK – irgendwie – verschwand Serbien und seine großstaatlichen territorialen Appetit, untrennbar mit völkermörderischen oder zumindest, Absichten der Umsiedlung von Völkern verbunden, sein Name des ehemaligen suizidalen Präsidenten wird in keiner Weise mit den Kriegen der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Verbindung gebracht, trotz der unzähligen Beweise – und trotz der versteckten und umgangenen – dass das serbische Regime die serbischen Streitkräfte in Bosnien und Herzegowina logistisch, finanziell und operativ kontrollierte... wodurch die „internationale Gemeinschaft“ Serbien für alle Verbrechen – Zehntausende von Toten – in seinem Namen stillschweigend amnestierte... Da haben wir es!

Dementsprechend überrascht das Verhalten der politischen Vertreter der RS überhaupt nicht: Trotz der Schlussfolgerungen einiger Genies von Parteien und Fronten aus der FBiH haben die Behörden der RS nicht nur „versucht“, sondern bereits alles getan, um nicht nur die „Politik der Verbrechen“ zu „festigen“, sondern auch die Ergebnisse dieser Politik und der Verbrechen als „öffentliches bzw. gesellschaftliches Gut dieses Entitäts“ zu etablieren – sie haben Territorium, ethnisch rein, mit einer geringen Anzahl von Nicht-Serben, ohne Migranten... ohne jegliche Aussicht auf Möglichkeiten / Gefahren(!), dass sich diese Situation bald ändert. Sie sind bereit, „für den Fall der Fälle“ nicht nur die Reservepolizei, sondern auch Angehörige von Sicherheitsagenturen und Mitglieder von Jagdvereinen zu verteidigen.

Das Verhalten bosniakischer Politiker und Politikerinnen(!) und sogar der pro-bosnischen (ich habe diesen Ausdruck noch nicht „verdaut“ und es scheint, dass ich ihn lange nicht „verdauen“ werde) ist jedoch das, was provoziert... Sie sagten, was sie wussten – sie waren überrascht und nicht überrascht, sie gaben Pressemitteilungen heraus... Und das ist alles! Objektiv gesehen konnte nicht mehr erwartet werden: Sie wissen und können wirklich nichts anderes tun. Das Einzige, was ihnen einfällt, ist Schlag auf Schlag... Aussage gegen Aussage... drei Tage kaufen, bis MD sich wieder eine neue gefährliche Dummheit ausdenkt und sie in die Öffentlichkeit bringt, damit sich unsere „Leute“ wieder äußern, erklären und eine Pressemitteilung herausgeben können... und so weiter im Kreis bis 2020 oder 2022... oder bis zu dem Zeitpunkt, an dem – wie es in einer der Mitteilungen heißt – es unsinnig wird, die internationale Gemeinschaft anzurufen, weil ihre Existenz höchst fraglich ist und die Politik, die die Errungenschaften des Völkermords pflegt, den Standpunkt der internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina überhaupt kümmert.

Der öffentliche Aufruf zur Suche nach einer „institutionellen Antwort auf die Politik der Tyrannei und zur Vorbereitung auf neue Gewalt, um diese zu verhindern“ nicht nur, weil uns „die Geschichte lehrt, dass die Welt uns nicht vor denen verteidigen wird, die entgegen der Zivilisation nur das Gesetz der Gewalt kennen“, nicht einmal wegen der Tatsache, dass weder bosniakische noch pro-bosnische Kräfte(?!) eine angemessene Antwort auf die Politik haben, die – wenn wir die Wahrheit sagen wollen – auf die stillschweigende Unterstützung aller Akteure stößt, die sich auf „internationale, demokratische und zivilisatorische Standards“ berufen und zuständig sind... sondern vor allem und nach allem wegen der Tatsache, die wir alle ein wenig übersehen, dass der Krieg in Bosnien und Herzegowina nicht beendet, sondern gestoppt, bzw. unterbrochen wurde... und dass er beendet werden muss... das lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Gerade weil der Begriff „Mobilisierung“ in diesem Moment unheilvoll klingt, ist er die einzig angemessene für die Situation. Ist dies vielleicht der vorletzte Aufruf zur zivilen / bürgerlichen Mobilisierung aller normalen Menschen – nämlich derer, die nicht kämpfen wollen – und derer, die bisher geschwiegen haben, aber etwas zu sagen hatten, damit sie endlich sprechen. Denn vielleicht wird der letzte Aufruf, den sie in ihrem Leben erhalten, der zur Erfüllung ihrer ultimativen bürgerlichen Pflicht und zur (militärischen) Mobilisierung sein.
 

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