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Das Internationale Institut für Nahost- und Balkanstudien (IFIMES) aus Ljubljana, Slowenien, analysiert regelmäßig die Ereignisse im Nahen Osten und auf dem Balkan. Anlässlich des unbefriedigenden Zustands im Justizwesen von BiH auf allen Ebenen hat IFIMES eine Analyse der aktuellen Entwicklungen im Justizwesen vorbereitet, mit Schwerpunkt auf dem Auswahlverfahren für den Präsidenten/die Präsidentin des Gerichts von Bosnien und Herzegowina.
Aus der Analyse „Gerichtliche Herausforderungen in Bosnien und Herzegowina – Gericht von BiH?“ heben wir den Teil hervor, der sich auf das Auswahl- und Ernennungsverfahren für die Inhaber der höchsten Justizfunktionen in BiH bezieht.
Das Gesetz über den Obersten Justiz- und Staatsanwaltschaftsrat (VSTV) schreibt vor, dass der VSTV ein unabhängiges und eigenständiges Organ ist, dessen Aufgabe es ist, eine unabhängige, unparteiische und professionelle Justiz zu gewährleisten. Eine der Hauptaufgaben des VSTV ist die Auswahl und Ernennung von Richtern und Staatsanwälten in BiH. Es herrscht die Meinung vor, dass sich der VSTV weit von der Justiz in BiH entfernt hat und die gesellschaftliche Rolle der Justiz nicht schützt. Das Gesetz über den VSTV muss systematisch geändert werden, insbesondere im Hinblick auf die Definition der Mitgliedschafts- und Wahlvoraussetzungen im VSTV, die Schaffung eines rechtlichen Rahmens für die Rechenschaftspflicht der VSTV-Mitglieder, die zeitliche Begrenzung der Mandate und die Verabschiedung eines Ethikkodex für VSTV-Mitglieder. Bei der Auswahl der VSTV-Mitglieder konzentriert sich die Hauptaufmerksamkeit auf die Erfüllung nationaler und geschlechtsspezifischer Kriterien im Verhältnis zu den fachlichen und moralischen Qualitäten.
So werden die Justizinstitutionen aufgefordert, Kandidaten für die Mitgliedschaft im VSTV vorzuschlagen, die die vordefinierten Kriterien des nationalen und geschlechtsspezifischen Schlüssels erfüllen, was einen echten Auswahlprozess für qualifizierte Kandidaten verhindert. In diesem Zusammenhang hat die Venedig-Kommission des Europarates hervorgehoben, dass „die Behörden in BiH das derzeitige Modell, nach dem die obligatorische Zusammensetzung des VSTV nach dem „ethnischen Prinzip“ definiert wird, noch einmal überdenken sollten“, was in den Berichten und Analysen europäischer Institutionen und der USAID zu finden ist.
Gemäß dem Protokoll des strukturierten Dialogs, der Ende letzten Jahres stattfand, wurde beschlossen, dass die Reform des Gesetzes über den VSTV auf drei Prinzipien beruhen wird: 1) die Beibehaltung eines einzigen VSTV für ganz BiH, 2) die Bildung von zwei Unterräten innerhalb des VSTV, nämlich eines Unterrates für Richter und eines Unterrates für Staatsanwälte, die getrennt gemäß klar definierten Zuständigkeiten Richter auswählen bzw. Staatsanwälte vorschlagen/auswählen, und 3) die Definition von Kriterien für die Zusammensetzung des VSTV, die die verfassungsrechtliche Struktur von BiH widerspiegeln und eine proportionale Vertretung von Vertretern verschiedener Instanzen und Teile des Justizsystems, der Entitäten, des Distrikts Brčko BiH und der Institutionen von BiH gewährleisten.
Änderung der nationalen Zugehörigkeit von Inhabern von Justizfunktionen
Gerade die Definition von Kriterien, die die verfassungsrechtliche Struktur widerspiegeln, ist derzeit ein Dorn im Auge des VSTV und wird von eben dieser Dachorganisation der Justiz verletzt. Es ist allgemein bekannt, dass Kandidaten für Justizfunktionen ihre nationale Zugehörigkeit ändern, um in sehr verantwortungsvolle Positionen gewählt zu werden, und sich meist als Angehörige der „anderen“ bezeichnen, was bisher vor allem von Kandidaten bosniakischer Nationalität in der Föderation BiH und auf staatlicher Ebene von BiH genutzt wurde. In der Republika Srpska ist die Justizstruktur „dank“ des VSTV zu fast 90 % aus Personen serbischer Nationalität aufgebaut, und für die zuständigen Behörden wird es sehr interessant sein festzustellen, wie viele Personen serbischer Nationalität sich als „Andere“, Kroaten oder Bosniaken bezeichnet haben und wie groß der Anteil des VSTV und der aktuellen Politik daran ist.
Es scheint, dass der VSTV nur versucht, seine Zusammensetzung zu „trainieren“ und die Verfassung von BiH und die nationale Vertretung zu respektieren, und es ist offensichtlich, warum. Nach der Suspendierung von Goran Salihović („Andere“), dem Generalstaatsanwalt von BiH, wurde Gordana Tadić (Kroatin) zur amtierenden Generalstaatsanwältin ernannt. Das Auswahlverfahren für den Präsidenten des Gerichts von BiH läuft. Der Präsident des VSTV ist Milan Tegeltija (Serbe). Der Justizminister von BiH ist Josip Grubeša (Kroate). In der internationalen breiteren Methodologie werden auch Innenministerien und Polizeibehörden zur Justiz gezählt, und an der Spitze des Innenministeriums von BiH und der Staatlichen Ermittlungs- und Schutzbehörde (SIPA) stehen Personen serbischer Nationalität. Es sei daran erinnert, dass der Präsident des Obersten Gerichts der Föderation Milorad Novković (Serbe) ist und Zdravko Knežević (Kroate) der föderale Generalstaatsanwalt ist.
Zahlreiche Analysen und Umfragen haben gezeigt, dass Polizei, Medien und Nichtregierungsorganisationen in BiH am engagiertesten im Kampf gegen Kriminalität und Korruption sind, gefolgt von internationalen Organisationen, während Justizinstitutionen fast auf dem Niveau politischer Parteien, also am Ende der Skala im Kampf gegen Korruption, stehen. Offensichtlich hat die Politik in BiH einen entscheidenden Einfluss auf die Arbeit der Justizinstitutionen. Das Ernennungsverfahren für Inhaber von Justizfunktionen, das in die Zuständigkeit des VSTV fällt, stellt nach Meinung internationaler Experten und nach internationalen Untersuchungen, sogar nach den Ansichten der Justizgemeinschaft in BiH, die kontroverseste und sensibelste Frage der Justiz in BiH dar.
Wahl nach Nationalitätskriterium, Dodik oder Fachwissen?
Es stellt sich berechtigterweise die Frage, nach welchen Kriterien Gordana Tadić zur amtierenden Generalstaatsanwältin von BiH ernannt wurde und nach welchen Kriterien der Präsident/die Präsidentin des Gerichts von BiH ernannt wird. Neben Gordana Tadić und Goran Salihović gibt es im Staatsanwaltschaftsamt von BiH mehrere erfahrenere und bessere Staatsanwälte, wenn jemand aus dem Staatsanwaltschaftsamt von BiH ausgewählt werden sollte. Was war das Kriterium bei der Auswahl der genannten Gordana Tadić? Nationalität, Wissen, Erfahrung, Fähigkeit, gute Führung, Vision, oder hat Milan Tegeltija mit seinen Mitarbeitern eine Person ausgewählt, die Milorad Dodik nicht „stören“ wird, während Milan Tegeltija mit seinen Mitarbeitern seinen „eigenen“ Gerichtspräsidenten auswählt, der Dodik, aber auch andere mehr oder weniger ranghohe Politiker anderer Nationalitäten nicht stören wird.
Nach Meinung von Analysten ist das einzige Kriterium für die Wahl des Gerichtspräsidenten von BiH, dass es sich um eine Vertrauensperson von Milan Tegeltija und seinen Mitarbeitern, bzw. Milorad Dodik, handelt. Alle anderen Effekte wie die Fälle Fahrudin Radončić, Dragan Čović, Jerko Ivanković-Lijanović, Kemal Čaušević sind von zweitrangiger Bedeutung. Analysten schätzen ein, dass Dodik mit der Ernennung von Tegeltijas Mann das Justizsystem endgültig beherrschen und damit die einzige Bedrohung für sich beseitigen wird, angesichts der Tatsache, dass Goran Salihović unter anderem suspendiert wurde, weil er angeblich Milorad Dodik geschützt hat. Milan Tegeltija hatte zwei Möglichkeiten: entweder Salihović zu suspendieren oder sich dem Druck der USA auszusetzen. Er wählte die erste Möglichkeit und schaffte es, eine Person im Staatsanwaltschaftsamt von BiH zu installieren, mit der er manipulieren und Milorad Dodik schützen kann.
Gordana Tadić hat die Chance, diese Analyse bereits Anfang 2017 zu widerlegen, wenn eine Entscheidung über die Anklage gegen Milorad Dodik im Zusammenhang mit dem illegal abgehaltenen Referendum getroffen werden soll. Die Frage der Nationalität des zukünftigen Präsidenten/der zukünftigen Präsidentin des Gerichts von BiH ist für den VSTV und für Milan Tegeltija irrelevant. Der VSTV wird unter der Leitung von Tegeltija versuchen, eine Person zu installieren, die das Ziel von Milorad Dodik umsetzen wird. Es wird interessant sein zu beobachten, ob die Bosniaken auf staatlicher Ebene ohne eine einzige Justizfunktion bleiben werden, da die bosniakischen Kandidaten, insbesondere Mira Smajlović, nicht zum Team um Tegeltija passen, da sie bereit sind, sich mit Kriminalität und Korruption in der Republika Srpska (RS) auseinanderzusetzen.
Auf diese Weise werden alle politischen Freunde von Milorad Dodik vielleicht bald die Gelegenheit haben, gegen ihre politischen Gegner vorzugehen. Natürlich, wenn Dodik es ihnen erlaubt. Analysten warnen, dass das Verhalten von Inhabern von Justizfunktionen ehrenhaft und würdevoll sein muss, nicht nur bei der Ausübung ihrer beruflichen Pflichten, sondern auch im Privatleben, und darf nicht von Amoralität, Betrug und Lügen motiviert sein. Es gibt keine Abstufungen bei der Definition von Integrität. Integrität ist eine absolute Kategorie, und die Rolle der USA und der EU bei der Auswahl des Generalstaatsanwalts von BiH muss entscheidend sein, denn wenn Tegeltija und Dodik gewinnen, wird sich zeigen, dass genau das die internationalen Mentoren wollten.
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