
Vor 825 Jahren wurde die Urkunde des bosnischen Banen Kulin unterzeichnet, geschrieben am 29. August 1189 in altslawischer Volkssprache und mit der bosnischen Schrift Bosančica, berichtet die Nachrichtenagentur Patria. Dieses Dokument ist das älteste bisher gefundene erhaltene bosnische Staatsdokument, aber auch eines der ältesten Staatsdokumente aller südslawischen Völker und Staaten.
Mit dieser Urkunde wurde den Dubrovnikern ein ungehinderter Handel im damaligen Bosnien ohne jegliche Einschränkungen ermöglicht.
- Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ich, Ban Kulin von Bosnien, verspreche Dir, Fürst Krvaš, und allen Bürgern von Dubrovnik, von nun an und für immer Dein wahrer Freund zu sein. Und ich werde Gerechtigkeit und wahres Vertrauen mit Euch halten, solange ich lebe. Alle Dubrovniker, die dorthin reisen, wo ich herrsche, um Handel zu treiben, wo immer sie sich bewegen wollen, wo immer sie wollen, mit wahrem Vertrauen und aufrichtigem Herzen, ohne jegliche Bosheit, und was mir jeder nach seinem freien Willen als Geschenk gibt. Von meinen Beamten wird ihnen keine Gewalt angetan, und solange sie in meinem Reich sind, werde ich ihnen Hilfe leisten, wie auch mir selbst, soweit es möglich ist, ohne jegliche böse Absicht – heißt es in der Urkunde.
Der Wert dieses Dokuments für die bosnische mittelalterliche Geschichte ist unermesslich. Es ist das erste bekannte Dokument, das von einem bosnischen Herrscher an den Herrscher, d.h. den Fürsten eines anderen Staates, ausgestellt wurde.
Seine Bedeutung liegt in zwei Bereichen: der Geschichte der bosnischen Staatlichkeit und der Geschichte der bosnischen Sprache. Daher kann man sagen, dass Kulins Urkunde die „Geburtsurkunde“ der bosnischen Staatlichkeit ist. Aus ihrem Inhalt lässt sich klar erkennen, dass Bosnien bereits im 12. Jahrhundert einen organisierten Staat und die Institution eines souveränen Herrschers hatte, obwohl es auch aus dem 10. Jahrhundert Beweise dafür gibt (das Werk „De Administrando Imperio“ des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos, das Basana/Bosna erwähnt), berichtet Patria.
Kulins Urkunde ist in drei Exemplaren erhalten. Zwei befinden sich heute noch in Dubrovnik, und das dritte Exemplar, das im 19. Jahrhundert gestohlen wurde, befindet sich im Besitz der Russischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Sankt Petersburg, Russland. Viele halten es für das Original unter den bekannten Exemplaren. Bosnien und Herzegowina hat einen Antrag auf Rückgabe gestellt, aber Russland hat den Antrag abgelehnt, da es der Ansicht ist, dass Kulins Urkunde als zweites ältestes slawisches Dokument gleichermaßen zur russischen Geschichte gehört.
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