Brief an Gemeindevorsteher Koldža: Warum kein einziger Kämpfer zur Eröffnung des Gedenkzentrums Heldenplatz eingeladen wurde

Patria
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Brief an Gemeindevorsteher Koldža: Warum kein einziger Kämpfer zur Eröffnung des Gedenkzentrums Heldenplatz eingeladen wurde

Der Verein der Organisatoren des Widerstands und der Kriegsveteranen Heldenplatz Sarajevo hat ein Protestbrief an den Gemeindevorsteher der Gemeinde Novo Sarajevo, Nedžad Koldža, an die Koordination der Kriegsveteranenverbände Novo Sarajevo sowie an den Minister für Kriegsveteranenfragen des Kantons Sarajevo, Muharem Fiši, gerichtet. Die Nachrichtenagentur Patria veröffentlicht das Schreiben in voller Länge.  

-Wir wenden uns mit diesem Protestbrief anlässlich der Eröffnung des Gedenkzentrums auf dem Heldenplatz am 16.05.2016 mit folgender Begründung an Sie.

Wie Sie wissen, wurde auf dem Heldenplatz der Verein der Organisatoren des Widerstands und der Kriegsveteranen gegründet, der seit 2013 tätig ist. Wir halten es für zumindest unkorrekt, dass zur Eröffnung des Gedenkzentrums Novo Sarajevo keine Vertreter dieses Kriegsveteranenverbandes eingeladen wurden.

Die Mitglieder dieses Vereins sind nämlich unmittelbare Teilnehmer und Zeugen der Kriegsereignisse des vergangenen Verteidigungskrieges, und das muss nicht bewiesen werden.

Darüber hinaus haben die Mitglieder unseres Vereins direkt an der Verteidigung des Heldenplatzes teilgenommen. Es ist bekannt, dass sich die Bewohner dieses Ortsteils gleich zu Beginn der Aggression selbst organisierten und zur Verteidigung dieses Stadtteils zusammenschlossen. Niemals darf vergessen werden, dass bei der Verteidigung dieses Teils der Gemeinde viele junge Menschen, Angehörige unserer Einheit, das Kostbarste gegeben haben, nämlich ihr eigenes Leben. Eine große Anzahl unserer Angehörigen erlitt schwere Verwundungen und hat lebenslange körperliche Schäden. Ebenso ist offensichtlich, dass während der Aggression eine große Anzahl von Zivilisten und Kindern ums Leben kam. Der Platz hat nicht ohne Grund seinen Namen in Heldenplatz geändert, dessen Name die heldenhafte Verteidigung der Stadt Sarajevo bezeugt.

Diejenigen, die diese historischen Tatsachen nicht kennen oder sie vergessen, begehen solche unverzeihlichen Fehler, die die Kriegsveteranenpopulation vom Heldenplatz zumindest beleidigen.

Die Initiative zur Gründung des Gedenkzentrums Novo Sarajevo haben wir unterstützt und halten die Gründung eines solchen Zentrums, das die Tradition und die Wahrheit der Verteidigung der Stadt bewahren wird, für gerechtfertigt. Wir sind stolz darauf, dass sich dieses Zentrum genau auf dem Heldenplatz befindet, wo diese Verteidigung der Stadt eine besondere historische Bedeutung hatte.

Aus diesem Grund sind wir dem Aufruf der Gemeinde Novo Sarajevo gefolgt, Museumsartefakte und andere materielle Beweise zu sammeln, die diese historischen Ereignisse bezeugen sollen. Der Verein ist dem Aufruf gefolgt und hat Originalfotos aus dieser Zeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt, da wir der Meinung sind, dass wir verpflichtet sind, unseren Beitrag zu einem solchen Projekt zu leisten.

Wir hatten gehofft, dass wir zumindest zusammen mit den Angehörigen der anderen Kriegsveteranenverbände zur Feier anlässlich der Eröffnung dieses Gedenkzentrums eingeladen werden. Der Organisator sah sich nicht verpflichtet, einen Vertreter unseres Vereins zur Eröffnung einzuladen, und, wie wir erfahren haben, haben auch die anderen Kriegsveteranenverbände keine Einladung erhalten.

Diese Handlung betrachten wir als eine Provokation seitens des Organisators und als eine ungehörige Tat, die einen Schatten auf ein solches Ereignis geworfen hat. Es ist eine beleidigende Tatsache, dass die Kämpfer, die direkt an der Verteidigung teilgenommen haben, nicht Teilnehmer dieses Ereignisses waren.

Wir sind der Ansicht, dass diese Geste des Organisators deutlich zeigt, dass dieses Ereignis für politische Zwecke und zum Zwecke der Eigenwerbung missbraucht wurde.

Der Patriotismus und der Mut der Kämpfer im vergangenen Krieg haben gezeigt, dass die Interessen Einzelner niemals vor den Interessen des Kollektivs oder der Gesellschaft stehen können. Mit unseren Körpern und unserem Mut haben wir dieses Land verteidigt, wir haben nicht zugelassen, dass dunkle Mächte über diese Gebiete herrschen.

Ebenso werden wir auch jetzt nicht zulassen, dass jemand diese glanzvollen historischen Tage und unsere Teilnahme auf diese Weise schändet und die historischen Ereignisse des vergangenen Verteidigungskrieges privatisiert.

Eine solche Haltung gegenüber der Verteidigung haben wir auch bei der Feier der Aufstellung der Einheit bemerkt, die wir Ihretwegen um einen Tag, und zwar auf den 20.04.2016, verschoben haben. Bei dieser Gelegenheit beabsichtigten wir, Ihnen eine Dankesurkunde für die Unterstützung der Arbeit des Kriegsveteranenverbandes zu überreichen. Sie sind unserer Einladung nicht gefolgt, und die Dankesurkunde haben wir dem Vertreter der Gemeinde überreicht. Nachträglich haben wir festgestellt, dass Sie dieses unser bedeutendes Datum ignoriert haben und dass Sie sich zur gleichen Zeit in Zenica aufgehalten haben.

Wir nutzen die Gelegenheit, Sie davon in Kenntnis zu setzen, dass die Verschiebung des Datums der Feier unserer Einheit sich niemals wiederholen wird und dass wir in Zukunft zu dieser unserer Feier keine Vertreter der Gemeindebehörden mehr gesondert einladen werden. Dies gilt auch für das nächste bedeutende Datum der Gemeinde Novo Sarajevo, nämlich die Schlacht um die „11 Blauen“.

Über diese unsere Haltung haben wir die Koordination der Kriegsveteranenverbände Novo Sarajevo informiert und von diesen verlangt, dass dieses Problem auf der nächsten Sitzung der Kriegsveteranenverbände zur Sprache gebracht wird.

Von dieser Koordination haben wir Unterstützung erhalten, und eine Kopie dieses Schreibens werden wir den anderen Kriegsveteranenverbänden auf dem Gebiet von Novo Sarajevo zuleiten.

Abschließend teilen wir Ihnen mit, dass wir bereits mündlichen Protest beim Dienst für Kriegsveteranen- und Invalidenfürsorge der Gemeinde Novo Sarajevo, beim Kabinett des Gemeindevorstehers der Gemeinde Novo Sarajevo und beim Kabinett des Ministers für Kriegsveteranenfragen des Kantons Sarajevo eingelegt haben.

Über diese unsere Haltung und diesen Protest werden auch die Medien informiert, von denen wir Unterstützung erbitten werden. Ebenso werden wir einen Aufruf zur Unterstützung an die Kriegsveteranenverbände und -vereinigungen aus dem Stadtgebiet von Sarajevo richten.

Unsere weiteren Schritte werden wir mit den anderen Kriegsveteranenverbänden abstimmen und koordinieren, die bereits festgestellt haben, dass die Behörden kein Gehör für die Probleme und Bedürfnisse der Kriegsveteranen haben, heißt es in dem Protestbrief, der von Sead Sefić, dem Vorsitzenden des Vereins, unterzeichnet ist. 

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