
Verfasst von: E. Mušinović
Spenden aus dem Ausland, die Bosnien und Herzegowina helfen sollen, die Folgen des Coronavirus (COVID-19) zu bewältigen, haben die ganze Schwäche der aktuellen staatlichen Amtsträger offenbart. Nicht einmal die Situation, in der ihre Arbeit vorrangig auf das Wohl aller Bürger von Bosnien und Herzegowina ausgerichtet sein sollte, hat die heimischen Beamten von ihrem absurden Bedürfnis nach billiger Politik und Wettbewerb abgehalten.
In Zeiten des allgemeinen Chaos hat die Politik eine noch schwerere Diagnose als die, der wir in der Region täglich ausgesetzt sind – die Diagnose einer schweren politischen Schizophrenie, die nicht nur bosnisch-herzegowinische, sondern auch regionale Politiker selbst in Krisenzeiten nicht unterdrücken können.
Die Entscheidungen der heimischen Behörden zeigen, dass die Entscheidungsträger in Bosnien und Herzegowina bereits zu Beginn verstanden haben, dass Krisen in gewisser Weise Bereiche sind, die von Demokratie und Logik befreit sind, das heißt Bereiche, in denen keine Zustimmung und kein Konsens erforderlich sind und ihre Entscheidungen der Öffentlichkeit nicht gerechtfertigt werden müssen.
Genau dieser Ansatz hat uns in eine Situation gebracht, in der die Regierung des Kantons Sarajevo auf ihrer gestrigen Sitzung beschloss, dem Abkommen über die Gewährung von Transfermitteln an die Stadt Novi Pazar (Republik Serbien) in Höhe von 50.000 KM zuzustimmen. Wie der Premierminister des Kantons Sarajevo, Mario Nenadić, bei dieser Gelegenheit betonte, halte er es angesichts der Tatsache, dass wir alle mit der durch das Coronavirus verursachten Pandemie kämpfen, für unsere Pflicht, der Stadt Novi Pazar zu helfen, die in der Republik Serbien als eines der Zentren des Coronavirus anerkannt ist.
An diesem Ansatz wäre nichts auszusetzen, wenn es in Bosnien und Herzegowina, einem Staat, zu dem auch der Kanton Sarajevo gehört, nicht andere Gemeinden und Städte gäbe, denen zusätzliche finanzielle Hilfe der Regierung des Kantons Sarajevo in Höhe von 50.000 KM im Kampf gegen das Coronavirus (COVID-19) ebenso helfen würde wie Novi Pazar. So unglaublich es auch klingen mag, diese bosnisch-herzegowinischen Städte, wie Goražde, erhalten Hilfe von der Republik Serbien. Fassen wir zusammen: das arme Bosnien und Herzegowina hilft Städten in Serbien, und das arme Serbien hilft Städten in Bosnien und Herzegowina – gleichzeitig bitten die armen Staaten Bosnien und Herzegowina und Serbien um Spenden von ausländischen Ländern und internationalen Organisationen, um ihren eigenen lokalen Gemeinschaften zu helfen.
Das Bedürfnis, einem fremden Land vor dem eigenen zu helfen, zeigte sich auch Ende März dieses Jahres in Mostar, als die Kantonsregierung mehr Mittel an Zagreb als an Konjic verteilte. Die Hauptstadt des Nachbarlandes Kroatien erhielt aus den Taschen der Bürger von Bosnien und Herzegowina 100.000 KM aufgrund zerstörerischer Erdbeben, während das Allgemeine Krankenhaus in Konjic, das zu dieser Zeit zahlreiche Appelle wegen fehlender medizinischer Ausrüstung sendete, nur 84.875,00 KM erhielt.
Was die Spenden ausländischen Länder und internationaler Organisationen betrifft, so hat die Öffentlichkeit in Bosnien und Herzegowina nie eine Antwort auf die Fragen erhalten, an wie viele Präsidenten und Premierminister welcher Länder Hilfsanträge für Bosnien und Herzegowina gerichtet wurden, wer diese Anträge gestellt hat – das Außenministerium von Bosnien und Herzegowina oder das Präsidium von Bosnien und Herzegowina – und warum die internationale Aktivität der Staatsfunktionäre, in deren verfassungsmäßiger Zuständigkeit diese Fragen liegen, generell ausgeblieben ist.
Dieses Problem trat nach der Entscheidung Russlands und Ungarns zutage, nur dem bosnisch-herzegowinischen Entität Republika Srpska zu helfen. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass die Vertreter der Behörden im Entität Republika Srpska um Hilfe gebeten haben und dass ausländische Regierungen ihnen stattgegeben haben, ebenso wie die logische Schlussfolgerung wäre, dass Bosnien und Herzegowina nicht ausreichend um internationale Hilfe bemüht ist. Dafür spricht auch die Entscheidung der ungarischen Behörden, die nach einer offiziellen Reaktion des Außenministeriums von Bosnien und Herzegowina dennoch beschlossen, ganz Bosnien und Herzegowina und nicht nur die Republika Srpska zu unterstützen.
Daher ist eine offizielle Reaktion erforderlich, denn Pressemitteilungen auf Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch, die für die hiesige Öffentlichkeit bestimmt sind, stellen nur ein Spiegelbild billiger Politik dar, von der die Bürger keinen Nutzen haben.
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