
SARAJEVO, (Patria) - „Kriegsgefahr in der Ägäis“, „Kriegsdrohungen im Mittelmeer“, „Das wäre ein Kriegsgrund“, so lauten einige Schlagzeilen in deutschen Medien. Es geht um die Verschärfung des Konflikts zwischen Griechenland und der Türkei um Gas, berichtet die Deutsche Welle.
Nachdem die Türkei im östlichen Mittelmeer nach Gasvorkommen sucht, in Gebieten, die Zypern oder Griechenland für sich beanspruchen, und Griechenland die Ausweitung seiner Wirtschaftszone von sechs auf zwölf Seemeilen im Ionischen Meer ankündigte, bezeichnete der türkische Vizepräsident Fuat Oktay dies als Kriegsgrund, und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu verwies auf einen entsprechenden Beschluss des türkischen Parlaments, berichtet Index.hr.
„Bereits 1995 erklärte das türkische Parlament die Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis zum Kriegsgrund. Sollte dies geschehen, würde die Ägäis aufgrund der zahlreichen griechischen Inseln praktisch zu einem griechischen Meer. Ankara könnte dann einen Krieg beginnen, ohne eine neue Genehmigung des Parlaments einzuholen“, merkt die Berliner Zeitung an.
„Der Konflikt hat sich verschärft, seit im östlichen Mittelmeer Erdgasvorkommen lokalisiert wurden und die Türkei Ende 2019 mit Libyen ein Abkommen über die Abgrenzung der ihnen im Mittelmeer zustehenden Gebiete schloss, das nicht nur Griechenland für nichtig hält“, erinnert die Frankfurter Allgemeine Zeitung und fährt fort: „Die Türkei begann am Samstag demonstrativ mit einer Militärübung im östlichen Mittelmeer. Es handelt sich um ‚Schießübungen‘ in einem Gebiet zwischen der südlichen türkischen Stadt Anamur und Nordzypern, die bis zum 11. September dauern werden, wie Ankara mitteilte“, berichtet die FAZ.
„Die Türkei versteht nur eine Sprache“
Die Süddeutsche Zeitung bringt ein Interview mit der Professorin für internationales Seerecht Nele Matz-Lück, die daran erinnert, dass die Türkei dem UN-Seerechtsübereinkommen UNCLOS von 1982 nie beigetreten ist, und schlussfolgert: „Die Position der Türkei ist gar nicht so schlecht, wie oft dargestellt wird. Aber sie ist schwächer als die Position Griechenlands. Vielleicht provoziert Ankara jetzt in der Hoffnung, dass sich Athen am Ende auf eine gemeinsame Nutzung der Ressourcen einlässt. Das könnte für die Türkei von Vorteil sein. Es wäre zugleich eine Möglichkeit, die derzeitige Pattsituation friedlich zu überwinden“, meint Professorin Nele Matz-Lück aus Kiel.
Dieselbe Zeitung bringt auch einen Kommentar unter dem Titel „Blinde Solidarität“, in dem der Autor Thomas Avenarius die Haltung der Europäischen Union kritisiert: „Den Konflikt um die Gasvorkommen im Mittelmeer schürt nicht nur die Türkei“.
„Griechenland betreibt bei der Festlegung seiner Seegrenzen eine Politik des Maximalismus, die keine Deckung im Völkerrecht hat. Auch Athen schickt Kriegsschiffe dorthin, führt Flottenübungen durch. Als EU-Mitglied kann Griechenland dennoch der ‚vollen Solidarität Deutschlands und der EU‘ sicher sein, wie Außenminister Heiko Maas bei seiner erfolglosen Vermittlungsmission erklärte. Und wenn der französische Präsident Macron dann noch die Rolle eines Napoleon 2.0 spielt, Kriegsschiffe entsendet und erklärt, die Türken verstünden nur noch ‚eine klare Sprache‘, sollte sich niemand wundern, wenn bald im Mittelmeer geschossen wird“, warnt die Süddeutsche Zeitung.
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