
Mit der Schließung der mazedonischen Grenze könnten wieder mehr Flüchtlinge über Bulgarien in den Westen gelangen. Doch die Brutalität der bulgarischen Polizisten ist bekannt, und nun organisieren sich auch Bürger in Patrouillen, um Flüchtlinge zu „jagen“, berichtet die Nachrichtenagentur Patria.
„Von unserem Dorf bis zur Grenze sind es sieben Kilometer. Alle, die es schaffen, den Grenzzaun zu überwinden, kommen an unserem Dorf vorbei“, erzählt der 76-jährige Kosta, während er auf einer Wiese Ziegen hütet.
Er ist einer von nur 18 Bewohnern des Dorfes Dolno Jabalkovo, einem kleinen Ort, in dem frisches Brot nur dreimal pro Woche angeliefert wird und Mobiltelefone fast keinen Empfang haben.
Vor kurzem jedoch gelangte Dolno Jabalkovo in die Schlagzeilen, und zwar dank Dinko Valev. Dieser junge Mann aus der nahegelegenen Stadt Jambol wurde zum Helden der Boulevardpresse, weil er auf seinem Geländemotorrad entlang der Grenze zur Türkei patrouilliert, wo er angeblich bisher 25 Flüchtlinge „mit bloßen Händen“ gefangen hat.
Derzeit versucht Dinko, Freiwillige für die „Jagd auf Flüchtlinge“ zu sammeln.
„Alle, die wir fangen, bleiben in unseren Händen. Es ist klar, dass ich sie töten will, und sie wollen mich auch töten, nicht wahr?“, sagte der junge Mann in einem Fernsehinterview.
Mit seiner Gewaltbereitschaft prahlte Valev auch in einem Gespräch mit der DW:
„Wenn sie Bomben werfen dürfen, dann darf ich das auch.“
Für ihn sind die Dinge kristallklar – jeder Flüchtling ist ein Dschihadist. Er bestätigt, dass er eine „Bürgerpatrouille“ gründet, die ab nächster Woche entlang des Grenzstreifens patrouillieren soll.
Eine solche Initiative erregt vorerst keine Aufmerksamkeit der bulgarischen Polizei. Innenministerin Rumjana Batschwarowa rief die Medien auf, die Polizei zu informieren, wenn sie Kenntnis von illegalen Handlungen haben, nannte die kriegerischen Aussagen und Ankündigungen des jungen Dinko Valev jedoch lediglich „ungewöhnlich“.
„Dinko sollte man nicht ernst nehmen“, sagt ein lokaler Politiker, der anonym bleiben wollte.
„Er will nur Aufmerksamkeit erregen und macht ständig dumme Sachen: zum Beispiel fuhr er mit einem Panzer über eine Dorfstraße, ritt mitten auf dem Hauptplatz mit einem Pferd und jagt mit seinem Motorrad Passanten auf dem Bürgersteig“, schreibt B92.
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