Mogherini: Der Westbalkan ist Europa und wird Teil der EU-Zukunft sein

Patria
AutorPatria
15:08
Podijeli:
Mogherini: Der Westbalkan ist Europa und wird Teil der EU-Zukunft sein

(Patria) - Die Europäische Kommission hat heute ihre jährliche Bewertung der Umsetzung von Reformen im Westbalkan und in der Türkei sowie Empfehlungen zu den nächsten Schritten vorgelegt, die diese Länder unternehmen sollten, und damit bestätigt, dass eine glaubwürdige Erweiterungspolitik eine geostrategische Investition in Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wirtschaftswachstum in ganz Europa darstellt.

Westbalkan

Eine klare und glaubwürdige Beitrittsperspektive zur EU für den Westbalkan bleibt entscheidend, um Veränderungen anzustoßen, die Aussöhnung zu fördern, die Stabilität in der Region zu verbreiten und die Werte, Normen und Standards der EU zu fördern. Die Strategie der Kommission für den Westbalkan vom Februar 2018 hat die Aktivitäten der EU und der Mitgliedstaaten neu belebt und in der Region Anklang gefunden. Ein Jahr später haben die Partnerländer konkrete Fortschritte erzielt und ihre Verpflichtung zur europäischen Perspektive gezeigt, auch wenn die Reaktion aller Partner nicht gleichermaßen stark war.

Albanien und Nordmazedonien haben die gebotene Gelegenheit ergriffen und Reformen umgesetzt, insbesondere in den vom Rat im Juni 2018 festgelegten Schlüsselbereichen. Angesichts der erzielten erheblichen Fortschritte und der Erfüllung relevanter Bedingungen hat die Kommission heute vorgeschlagen, dass der Rat Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien aufnimmt.

Die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsidentin der Kommission, Federica Mogherini, erklärte:

„Der Westbalkan ist Europa und wird Teil der Zukunft der EU sein, Teil einer noch stärkeren, stabileren und geeinteren Europäischen Union. Das vergangene Jahr war in der gesamten Region ein Jahr des Wandels zum Besseren. Albanien und Nordmazedonien sind entschlossen auf ihrem Weg zur EU, und die erzielten Ergebnisse sind konkret und müssen gewahrt werden. Deshalb schlagen wir heute vor, dass der Rat Beitrittsverhandlungen mit Albanien und Nordmazedonien aufnimmt. Die Erweiterungspolitik der Europäischen Union bedeutet eine Investition in Frieden, Sicherheit, Wohlstand und Stabilität in Europa.

Der für die Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen zuständige Kommissar, Johannes Hahn, sagte: Albanien und Nordmazedonien haben die Gelegenheit genutzt, sich in den neu belebten Erweiterungsplan einzubringen und Reformen umgesetzt. Nordmazedonien hat die Umsetzung seines umfassenden Reformplans fortgesetzt und darüber hinaus eine historische Einigung mit Griechenland erzielt, die einen 27 Jahre dauernden Namensstreit beigelegt hat. Dies kann als Beispiel für die gesamte Region und darüber hinaus dienen. Albanien setzt tiefgreifende Reformen um, insbesondere im Justizsystem. All dies beweist die Anziehungskraft der Europäischen Union.

Die Kommission hat heute auch eine Stellungnahme zum Antrag Bosnien und Herzegowinas auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union sowie einen analytischen Bericht veröffentlicht, der erstmals die Lage in diesem Land im Hinblick auf alle für EU-Mitgliedstaaten geltenden Standards prüft. Die Kommission ist der Ansicht, dass Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden sollten, sobald Bosnien und Herzegowina das erforderliche Maß an Angleichung an die Beitrittskriterien erreicht hat, insbesondere an die politischen Kriterien der Stabilität der Institutionen, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit gewährleisten. Bosnien und Herzegowina muss seinen rechtlichen und institutionellen Rahmen gründlich verbessern, um eine Reihe von präzise definierten Prioritäten in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Reform der öffentlichen Verwaltung zu erreichen. Die Stellungnahme der Kommission, die auch einen Plan für umfassende Reformen in diesen Schlüsselbereichen darstellt, ist ein wichtiger Schritt in den Beziehungen zwischen der EU und Bosnien und Herzegowina und dient als Ansporn für weitere Schritte im Prozess des EU-Beitritts.

Türkei

Die Türkei ist ein wichtiger Partner der EU und ein Beitrittskandidat. Der Dialog und die Zusammenarbeit, auch auf höchster Ebene, in Schlüsselbereichen von gemeinsamem Interesse werden fortgesetzt, unter anderem durch eine wirksame Zusammenarbeit im Bereich Migration und Unterstützung von Flüchtlingen. Die Türkei entfernt sich jedoch weiterhin von der Europäischen Union und macht erhebliche Rückschritte in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte, und die Verfassungsänderungen schwächen das System der gegenseitigen Kontrolle im politischen System. Im Juni 2018 hat der Rat einstimmig hervorgehoben, dass die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei daher praktisch ausgesetzt sind und keine neuen Kapitel eröffnet oder geschlossen werden können. Die Fakten, die zu dieser Bewertung geführt haben, sind unverändert.

Nächste Schritte

Nun muss der Rat die Empfehlungen der Kommission prüfen und über die nächsten Schritte entscheiden.

Erweiterungsprozess

Der aktuelle Erweiterungsplan umfasst die Partnerländer des Westbalkans und die Türkei. Beitrittsverhandlungen sind mit den Kandidatenländern Montenegro (2012), Serbien (2014) und der Türkei (2005) eröffnet. Nordmazedonien ist seit 2005 ein Kandidatenland, Albanien seit 2014. Potenzielle Kandidatenländer sind Bosnien und Herzegowina (Antrag auf Mitgliedschaft in der EU im Februar 2016 gestellt) und Kosovo (Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen trat im April 2016 in Kraft).

Das Beitrittsverfahren basiert weiterhin auf festgelegten Kriterien, fairen und strengen Bedingungen und dem Prinzip der Eigenleistung. Der EU-Beitritt erfordert die Umsetzung komplexer Reformen in einem anspruchsvollen Umfeld, ein Ziel, das nur langfristig erreicht werden kann. Damit der Beitrittsprozess voranschreiten kann, wird von den Kandidatenländern erwartet, dass sie schnellere und nachhaltige Ergebnisse in Schlüsselbereichen erzielen, nämlich Rechtsstaatlichkeit, Justizreform, Bekämpfung von Korruption und organisierter Kriminalität, Sicherheit, Grundrechte, Funktionieren demokratischer Institutionen und Reform der öffentlichen Verwaltung sowie wirtschaftliche Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit.

Darüber hinaus müssen im Westbalkan Fortschritte bei der Aussöhnung, den gutnachbarschaftlichen Beziehungen und der regionalen Zusammenarbeit erzielt werden, wie dies durch die historische Einigung zwischen Nordmazedonien und Griechenland geschehen ist.

Die Strategie für den Westbalkan hat den Beziehungen zwischen der EU und dieser Region neuen Schwung verliehen. Sie konzentriert sich auf Bereiche, in denen die Partnerländer des Westbalkans weitere Reformen und Anstrengungen unternehmen müssen, sowie auf eine verstärkte Unterstützung der EU für die Region, die eine Reihe von spezifischen Verpflichtungen umfasst, die in sechs Hauptinitiativen unterteilt sind.

Seit der Verabschiedung der Strategie hat sich die EU auf die Erfüllung ihrer Verpflichtungen konzentriert, indem sie ihr politisches Engagement verstärkt, die Sicherheitszusammenarbeit ausbaut und die operativen Verbindungen zwischen dem Westbalkan und der EU und ihren Agenturen stärkt, den Zugang zu finanzieller und technischer Hilfe ermöglicht und die finanzielle Hilfe der EU im Rahmen des Instruments für Heranführungshilfe (IPA) umleitet, dessen jährlicher Betrag für die Länder des Westbalkans allein im Jahr 2018 1,1 Milliarden Euro überstieg.

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