
(Patria) - Granaten, Scharfschützen, Hunger, der Kampf ums nackte Überleben – so sah das Leben im Sarajevo der 90er Jahre aus. Auf der anderen Seite fand in einem Keller in Sarajevo eine surreale Szene statt, nämlich die Wahl zur Miss Sarajevo.
Zur Miss Sarajevo 1993 wurde die damals 17-jährige Inela Nogić gekürt, die sich 33 Jahre später an dieses Ereignis erinnerte. Für sie sei es eine Flucht vor der Realität gewesen.
„Wir hatten eine so schöne Zeit zusammen, es gab Lieder, es gab Unterstützung. Wenn jemand nervös war, gab es eine Stunde, wie lange es auch dauerte, wir waren in einer Art Normalität. Wir kehrten zur Normalität zurück. Der Krieg war weit weg“, sagte Inela, die später als „Miss des belagerten Sarajevo“ bezeichnet wurde.
Zur Wahl habe sie sich gar nicht selbst angemeldet, sondern ihre Mutter. Sie hatte weder einen Badeanzug noch High Heels, und bis dahin hatte sie sich nicht geschminkt. Genau dieses Ereignis inspirierte das weltberühmte Lied „Miss Sarajevo“, gesungen von U2 und Luciano Pavarotti. Als der Krieg begann, war Inela 15 Jahre alt, und die Ereignisse, die sie zwei Jahre später erlebte, beschrieb sie in ihrer Autobiografie „Miss des belagerten Sarajevo“.
„Deshalb habe ich beschlossen, dieses Buch zu schreiben. Um diesem 17-jährigen Mädchen eine Stimme zurückzugeben, um zu sagen, wie es war und was es war. Sie wurde zum Symbol dieser Kriegszeit, und niemand fragte sie, wie es ihr ging oder was sie fühlte“, sagte Inela.
Nach ihrem Sieg bei der Miss-Wahl erhielt sie eine Einladung zur Teilnahme am prestigeträchtigen Wettbewerb Elite Model Look in New York. Danach sollte sie nach Paris reisen, konnte aber das belagerte Sarajevo nicht verlassen. Zu dieser Zeit lernte sie auch ihren Ehemann Marc kennen, einen Fotojournalisten aus den Niederlanden, und zog mit ihm nach Amsterdam.
Als Teenagerin im kriegsgebeutelten Sarajevo erlebte sie auch traumatische Erfahrungen, darunter sexuelle Belästigung, worüber sie offen spricht. Sie sagt, dass solche Wunden ein Leben lang bleiben und dass jeder lernen muss, damit allein fertig zu werden. In ihrer Autobiografie schreibt sie, dass sie, während sie in der Öffentlichkeit mit einem Band und einem Lächeln zum Symbol des Widerstands wurde, hinter den Kulissen eine völlig andere Realität lebte. Einen Alltag, der von Angst und Krieg geprägt war.
Heute lebt sie in Amsterdam, ist Mutter von zwei Kindern und erinnert sich an ihr Sarajevo als eine Stadt, die auch während des Krieges lachte.
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