
Der Präsident des Haager Tribunals Theodor Meron hat heute ein Treffen in Sarajevo mit Vertretern von Opferverbänden abrupt abgebrochen, nachdem Nura Begović, die Vizepräsidentin des Vereins „Frauen von Srebrenica“, ihm mitteilte, dass sie seinen Rücktritt fordern werde, berichtet die bosnische Nachrichtenagentur Patria.
Bakira Hasečić, die Vorsitzende des Vereins „Frau – Kriegsopfer“, sagte gegenüber Patria, dass es noch nie ein schlechteres Treffen mit Vertretern des Haager Tribunals gegeben habe, bei dem die Opfer keine Antworten auf ihre Fragen erhalten hätten und nicht alle Probleme, mit denen sie konfrontiert seien, hätten vorbringen können.
– Ich kann mich von Merons Antworten nicht erholen. Ich fragte ihn, wer Šešelj freigelassen habe, und er antwortete, die Haager Anklagebehörde habe nicht rechtzeitig Berufung eingelegt. Ich war fassungslos, denn vor zehn Tagen hatte mir während seines Aufenthalts in Sarajevo der Chefankläger Serge Brammertz gesagt, dass die Anklagebehörde sehr wohl Berufung eingelegt habe. Wer sagt jetzt nicht die Wahrheit? Wir wollen weiterhin an den Haager Tribunal glauben, aber wie soll das nach solchen Antworten gehen? Die Opfer sind jetzt verwirrt. Was wird dann mit Karadžić und Mladić? Werden auch sie freigelassen? Werden die Opfer Gerechtigkeit erfahren?, fragt sich Hasečić.
Bei dem Treffen wurde Meron mitgeteilt, dass die Opfer mit den Urteilen gegen Kriegsverbrecher nicht zufrieden sein könnten und dass der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe und wegen dem sein Rücktritt gefordert werde, genau die Freilassung Šešeljs sei, womit die Verbrecher und Serbien, das die Aggression gegen Bosnien und Herzegowina verübt habe, belohnt würden.
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