Durch das Lager Trnopolje gingen 23.000 Zivilisten: Aufnahmen ausgezehrter Häftlinge hinter Stacheldraht als Symbol des Grauens

Patria
AutorPatria
13:03
Podijeli:
Durch das Lager Trnopolje gingen 23.000 Zivilisten: Aufnahmen ausgezehrter Häftlinge hinter Stacheldraht als Symbol des Grauens

(Patria) - Am Standort des ehemaligen Lagers "Trnopolje" bei Prijedor wird heute um 10.00 Uhr der 33. Jahrestag der Errichtung des Lagers und der an den Häftlingen begangenen Verbrechen begangen.

Die Gedenkfeier wird organisiert vom Verband der Lagerhäftlinge in Bosnien und Herzegowina, dem Regionalverband der Lagerhäftlingsvereinigungen der Region Banja Luka, dem Lagerhäftlingsverein "Prijedor '92" und dem Lagerhäftlingsverein Kozarac.

Die Veranstaltung wird ein entsprechendes Programm und einen Besuch des Ortes des ehemaligen Lagers umfassen, im Gedenken an die Tausenden unschuldig Inhaftierten und Getöteten während des Jahres 1992, teilte der Verband der Lagerhäftlinge mit.

Das Lager "Trnopolje" wurde am 26. Mai 1992 auf Beschluss des damaligen Krisenstabs der Gemeinde Prijedor errichtet.

Seine ersten Häftlinge stammten aus dem Gebiet von Kozarac nach der Einnahme dieses Ortes.

Durch dieses Lager, das unter der Kontrolle der damaligen serbischen Behörden stand, gingen etwa 23.000 Zivilisten, darunter vor allem Alte, Frauen und Kinder. Kein anderes Lager im ehemaligen Jugoslawien hatte so viele Häftlinge.

Das Lager Trnopolje wurde am 5. August 1992 von britischen Journalisten entdeckt, die damals Aufnahmen von misshandelten und ausgezehrten Häftlingen hinter Stacheldraht machten, die später als Beweismittel in den Prozessen wegen Kriegsverbrechen in Bosnien und Herzegowina verwendet wurden.

Das Lager wurde von bewaffneten Wächtern bewacht, der Lagerleiter war Slobodan Kuruzović.

Unter diesen Aufnahmen sticht besonders das Foto von Fikret Alić hervor, das zu einem der Symbole des Kriegsleids in Bosnien und Herzegowina wurde.

Nach dem serbischen Angriff auf das Dorf Hambarine am 23. Mai und während des Angriffs auf Kozarac, der am 24. Mai begann, wurden im Gebiet der Gemeinde Prijedor mehrere Konzentrationslager und andere Orte illegaler Inhaftierung von Zivilisten errichtet, von denen Omarska, Keraterm und Trnopolje aufgrund der dort begangenen Verbrechen am bekanntesten sind.

Im genozidalen Projekt der Schaffung eines einnationalen serbischen Staates, zu dem auch die Gemeinde Prijedor gehören sollte, durchliefen mehr als 31.000 bosniakische und kroatische Zivilisten diese Lager.

In einem Bericht der Vereinten Nationen heißt es über das Lager Trnopolje: "Im Lager Trnopolje waren Tötungen und Folterungen keine Seltenheit. Belästigungen und Misshandlungen waren die Regel, nicht die Ausnahme. Von den schweren Verbrechen an den Häftlingen waren Vergewaltigungen die häufigsten. Diese Gräueltaten wurden meist nachts verübt. Die nächtlichen Ängste vor einer möglichen Verschleppung zur Vergewaltigung oder anderen Arten von Misshandlungen fügten selbst jenen Gefangenen, die sich nur kurz im Lager aufhielten, schweres seelisches Leid zu. Viele Häftlinge kehrten nie zurück, nachdem sie aus dem Lager entfernt worden waren. Andere ehemalige Häftlinge behaupten, dass es Momente gab, in denen ihnen befohlen wurde, Nicht-Serben, die getötet worden waren, auf Feldern und Wiesen rund um das Lager zu vergraben."

Die Organisatoren kündigen an, dass sie während der Gedenkfeier auf die unzureichende institutionelle Unterstützung für die Lagerhäftlinge sowie auf den fortgesetzten Kampf für die Anerkennung ihrer Rechte hinweisen werden.

Besondere Aufmerksamkeit wird dem Fall von Fikret Alić gewidmet, dessen rechtlicher Kampf um die Anerkennung des Status eines Opfers von Kriegsfolter in letzter Zeit eine positive Wende genommen hat, nachdem der Oberste Gerichtshof der Republika Srpska das frühere ablehnende Urteil aufgehoben und eine erneute Prüfung seines Antrags angeordnet hat.

Ebenfalls hervorgehoben wird das jüngste Urteil des Gerichts von Bosnien und Herzegowina, mit dem erstmals eine Person wegen Leugnung des Völkermords und Verherrlichung von Kriegsverbrechern verurteilt wurde, als wichtiger Schritt hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit.

Der Verband der Lagerhäftlinge BiH betont, dass er weiterhin konsequent für die Verbreitung der Wahrheit und die Bewahrung des Gedenkens eintreten werde, mit einer klaren Botschaft:

Keine Versöhnung ohne Wahrheit, keine Zukunft ohne Gerechtigkeit. Nicht vergessen – damit es sich nicht wiederholt – so die Botschaft des Regionalverbands der Lagerhäftlingsvereinigungen der Region Banja Luka, des Lagerhäftlingsvereins "Prijedor '92" und des Lagerhäftlingsvereins Kozarac.

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