
Die Stiftung von Omer Pobrić „Institut sevdaha“ steht seit Donnerstag zum Verkauf, schreibt die bosnisch-herzegowinische Nachrichtenagentur Patria (NAP).
Die einzige Institution in Bosnien und Herzegowina, die sich mit dem Schutz von Sevdalinka – dem traditionellen bosnisch-herzegowinischen Lied – beschäftigt und sich im Ort Mulići bei Visoko befindet, wird auf der Internetplattform Pik.ba zu einem Preis von 320.000 KM zum Verkauf angeboten.
Die Entscheidung von Pobrićs Familie, das Institut zu verkaufen, hat viele Liebhaber von Sevdalinka schockiert. Experten warnen, dass das Gebäude des Instituts und einige seiner Nebengebäude vielleicht 320.000 KM wert sind, aber der Wert von Noten, Instrumenten, Tonträgern und anderen Gegenständen, die von dem traditionellen bosnischen Lied zeugen, kann nicht gemessen werden.
Enver Šadinlija, Mitglied des Institutsrates, warnte, dass es vor allem bedauerlich sei, dass dieses Institut nicht von den Institutionen Bosniens und Herzegowinas gegründet wurde, die sich mit der Erhaltung des kulturellen Erbes von BiH befassen sollten, sondern dass dies eine Einzelperson tun musste.
Und noch bedauerlicher sei es, so sagt er, dass der Staat, wenn Pobrić das Institut bereits gegründet hat, nicht die Verantwortung dafür übernehmen wolle.
Das „Institut sevdaha“ wurde 2003 vom bosnisch-herzegowinischen Komponisten Omer Pobrić gegründet. Er wollte die Sevdalinka als nationales Kulturgut Bosniens und Herzegowinas erhalten. Nach Pobrićs Tod stellte der Betrieb des Instituts jedoch fast ein. Eingeweihte sagen, dass dies teilweise Pobrićs Schuld sei, da er zu Lebzeiten niemanden ausgebildet habe, der hätte weitermachen können, wo er aufgehört hatte. Praktisch sei Pobrić, so sagen sie, verschlossen gewesen und habe niemandem erlaubt, ihm zu nahe zu kommen.
Die Stiftung von Omer Pobrić „Institut sevdaha“ bewahrt und sammelt Noten aller bisher bekannten Sevdalinka, Tonträger, auf denen sie veröffentlicht wurden, sowie alle Formen von Filmmaterial und Videoaufnahmen von Sevdalinka. Das Institut sammelt und archiviert literarische, soziologische, kulturologische, ethnologische und andere Veröffentlichungen, in denen Sevdah und Sevdalinka in irgendeiner Weise behandelt werden. Es beschäftigt sich auch mit der Bewahrung und Sammlung von Musikinstrumenten, auf denen Sevdalinka gespielt werden.
Munevera Pobrić (66), die Witwe des verstorbenen Omer Pobrić, sagt im Gespräch mit Patria, dass es ihr sehr schwerfalle, das Institut zu verkaufen, für das ihr Mann gelebt habe, sie aber nicht mehr in der Lage sei, sich allein darum zu kümmern. Das Institut erstreckt sich über mehr als 400 Quadratmeter und verfügt über eine große Anzahl von Nebengebäuden.
- Die Rechnungen für das Institut sind hoch, und meine Rente beträgt 310 KM. Allein kann ich das alles nicht mehr finanzieren – sagt Munevera. Die Behörden hätten, so sagt sie, nie Interesse gezeigt, die Verantwortung für das Sevdah-Institut zu übernehmen, schreibt NAP.
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