
(Patria) - Das Dorf Kitayama mit etwa vierhundert Einwohnern, das am gleichnamigen Fluss in der japanischen Präfektur Wakayama im Süden der Insel Honshū liegt, wird von Anfang Mai bis Ende September von rund 7.000 Touristen besucht.
Menschen aus der ganzen Welt kommen wegen eines Erlebnisses, das es sonst nirgendwo in Japan gibt: eine aufregende Floßfahrt, die 70 Minuten dauert und niemanden unberührt lässt.
Das entspannende Rafting auf dem schmalen, gewundenen Fluss bietet herrliche Ausblicke auf üppige Baumkronen, die über die Klippenränder ragen. Jedes Floß kann bis zu 20 Personen befördern, und in der Saison wird fast täglich gefahren.
Vier Steuerleute, sogenannte Ikadashi, jeder auf seiner Seite des Floßes, geben mit langen Rudern die Fahrtrichtung vor. Es ist eine 600 Jahre alte Tradition, die aus der Zeit stammt, als es noch keine modernen Straßen gab, die den Transport von Holz von Kitayama nach Shingu, einer 60 Kilometer entfernten Stadt an der Küste von Wakayama, erleichterten.
Mit der Zeit wurden die Flöße durch Lastwagen ersetzt, aber die Tradition blieb in dem kleinen japanischen Dorf dank einer Entscheidung der Behörden erhalten, die das Floß-Rafting zu einem touristischen Hit machte. Für die Steuerung des Floßes den Fluss Kitayama hinunter sind jedoch Jahre und Jahre Erfahrung nötig.
Auszubildende müssen drei Jahre üben, bevor sie Touristen führen dürfen. Jedes Jahr zwischen Oktober und März werden fleißig neue Flöße aus lokaler Zeder und Zypresse gebaut, dann ein Jahr lang trocknen gelassen, damit sie fahren können.
Nach drei Jahren, von den Felsen durch die häufigen Fahrten zerschlagen, gehen die Flöße in den wohlverdienten Ruhestand, und das Holz wird auf verschiedene Weise weiterverwendet.
Um sich im Floß-Rafting zu versuchen, muss man nicht unbedingt nach Japan reisen – man kann auch nach München aufbrechen, in das über die Isar bereits im 15. Jahrhundert Holz transportiert wurde, schreibt Punkufer.
Dort kann man heute die schönsten Teile des Flusses auf einem rustikalen Holzfloß entdecken. Die Floßfahrten beginnen in Wolfratshausen, etwa 30 Kilometer von München entfernt.
Im Gegensatz zu den japanischen haben die deutschen Flöße Tische, Bänke, bayerische Spezialitäten und Live-Musik.
Je nach Wasserstand dauert die Fahrt fünf bis sieben Stunden. Die Isar fließt meist ruhig, und an heißen Tagen kann man an ruhigeren Stellen auch schwimmen gehen und sich etwas abkühlen.
Doch im idyllischen Mühltal, unweit des Klosters Schäftlarn, rauscht das Floß mit ziemlich hohem Tempo 18 Höhenmeter hinab.
Die Flöße werden jeden Tag neu aus Baumstämmen gebaut und wieder auseinandergenommen. Sie können bis zu 18 Stämme haben und bieten Platz für etwa 60 Personen.
Wenn die Rafting-Saison im September endet, werden die Stämme zu Bauholz verarbeitet.
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