
(Patria) - Anlässlich des Unabhängigkeitstages von Bosnien und Herzegowina übermittelte Edin Forto, Vorsitzender Unserer Partei und Premierminister des Kantons Sarajevo, den Bürgerinnen und Bürgern eine Grußbotschaft. Wir geben sie im Wortlaut wieder.
„Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit wir uns für ‚ein souveränes und unabhängiges Bosnien und Herzegowina, einen Staat gleichberechtigter Bürger, der Völker Bosnien und Herzegowinas – Muslime, Serben, Kroaten und Angehörige anderer in ihm lebender Völker‘ ausgesprochen haben, wie es in der Referendumsfrage von 1992 hieß.
Sofort stellte sich heraus, dass die Abstimmung allein nicht ausreichen würde, um ein solches Bosnien und Herzegowina zu erreichen. Die Aggression aus Serbien begann. Wir stellten uns zur Verteidigung unseres Rechts, in einem Staat zu leben, wie wir ihn uns wünschen. Wir alle haben etwas geopfert, und viele haben alles geopfert. Gesundheit, Körperteile und Leben. Auch viele Zivilisten kamen ums Leben, darunter Kinder. Der Aggressor ging so weit, Völkermord zu begehen. Den in der Aggression Getöteten gebührt der größte Dank.
Wir haben die Integrität Bosnien und Herzegowinas verteidigt, aber auch 30 Jahre nach dem Referendum können wir nicht sagen, dass wir in dem Land leben, für das wir uns beim Referendum entschieden haben.
Unabhängigkeit, Integrität und Souveränität haben einige als vorübergehende Kategorie verstanden, um in Frieden mit politischen Mitteln zu versuchen, die Kriegsziele zu erreichen, wonach es Bosnien und Herzegowina letztlich nicht gibt. Andere wiederum haben sie als unkontrollierte, absolute Macht verstanden, in der nur diejenigen unabhängig sind, die regieren, und die Bürgerinnen und Bürger von ihnen abhängen.
Wir haben zu beiden „NEIN“ gesagt. Unser „NEIN“ wurde 2018 als historisch bezeichnet. Wir haben fleißig im Einklang mit unserem „NEIN“ an die Nationalisten und mit unserem, dem Referendums-„JA“ an ein bürgerliches Bosnien und Herzegowina gearbeitet. Genau im Ton des Kampfes für ein bürgerliches Bosnien und Herzegowina sind auch die Vorschläge unserer Verfassungsänderungen zu lesen, die sicherstellen, dass kollektive und individuelle Rechte bei ihrer Ausübung kein Hindernis füreinander darstellen.
Den Bestimmungen Bosnien und Herzegowinas, wie sie in der Referendumsfrage von 1992 gegeben sind, wollen wir ihre wahre Bedeutung zurückgeben. Unter Souveränität verstehen wir, dass der Staat und die Bürger ohne jegliche äußere Einflussnahme über das Territorium, auf dem sie leben, verfügen. Unter Unabhängigkeit verstehen wir, dass die Bürger ihre Lebensentscheidungen selbstständig treffen, ohne durch die Zugehörigkeit zu irgendeinem Kollektiv – ideologisch, politisch, ethnisch, religiös usw. – bedingt zu sein. Unter Integrität verstehen wir die Unantastbarkeit der Grenzen Bosnien und Herzegowinas unabhängig von seiner inneren administrativen Organisation. Unter Gleichberechtigung – dass jede Bürgerin und jeder Bürger Bosnien und Herzegowinas gleiche Möglichkeiten und Chancen zu deren Verwirklichung in jedem Teil seines Landes hat, unabhängig davon, ob er dem Volk angehört, das in diesem Teil zahlreicher ist, oder der Partei, die dort an der Macht ist.
Trotzdem erleben wir, dass unser Patriotismus nicht selten in Frage gestellt wird. Unsere Offenheit für die Gemeinschaft aller Bosnier und Herzegowiner wollen sie als Schwäche darstellen. Den unermüdlichen Kampf gegen Korruption und die Sensibilisierung für den Missbrauch öffentlicher Mittel stellen sie als Ablenkung vom Thema der „Staatsfragen“ dar.
Wir stehen fest in der Überzeugung, dass die Sorge um Wöchnerinnen Patriotismus ist, der Bau einer qualitativ hochwertigen Infrastruktur ein Kampf für den Staat und die Errichtung von Bildungs- und Kultureinrichtungen eine Antwort auf die Bedrohungen seiner Souveränität ist – dass das Zahlen von Steuern ein patriotischer Akt und Korruption ein Akt des Verrats ist.
Wir sind uns bewusst, dass sie alles tun werden, um uns daran zu hindern. Sie werden Angst säen, mit deren Hilfe sie gelernt haben zu siegen. Angst vor dem Anderen und Andersartigen, von dem sie sagen, dass er uns Böses will. Auf unserer Seite jedoch stehen Hoffnung und Glaube an das Bessere, was immer stärker war als die Angst.
Andererseits sind die Bürgerinnen und Bürger in den Gebieten, in denen wir an der Macht sind oder es bis vor kurzem waren, zu Recht der Meinung, dass es jetzt besser ist als vor uns. Es ist besser in Sarajevo und Tuzla, und es wird besser sein in ganz Bosnien und Herzegowina! Denn wir sind nicht alle gleich! Wir werden das erkämpfen, wofür wir am 1. März 1992 gestimmt haben. Für einen Staat im Dienste der Bürger, nicht der Parteieliten.
Es war längst an der Zeit dafür. Es darf keine weiteren Verzögerungen mehr geben.
Angesichts der neuen geopolitischen Umstände ist es höchste Zeit für die euro-atlantischen Integrationen, die die einzige Garantie für dauerhaften Frieden, Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand sind. Wir alle haben ein Ticket für die Reise in eine solche Gesellschaft. Dieses Ticket ist der Stimmzettel, wir müssen ihn nur richtig ausfüllen. Am 1. März 2022, 30 Jahre später, habe ich nicht den geringsten Zweifel, dass wieder die Mehrheit der Bürger für ein souveränes und unabhängiges Bosnien und Herzegowina ist, einen Staat gleichberechtigter Bürger und Völker Bosnien und Herzegowinas, sowohl der konstituierenden als auch der Anderen. Das müssen wir im Oktober zeigen.
Gemeinsam, bürgerlich, und Punkt.
Einen schönen Unabhängigkeitstag von Bosnien und Herzegowina!“
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