EDIN URJAN KUKAVICA Der vorletzte Aufruf zur Mobilmachung

Patria
AutorPatria
12:46
Podijeli:
EDIN URJAN KUKAVICA Der vorletzte Aufruf zur Mobilmachung

Von: Edn Urjan Kukavica


Etwas naiv und unbeholfen klingt die Überraschung bosniakischer Politiker über die erneute / ständige Leugnung des Völkermords an Bosniaken in diesem letzten Krieg. MD erzählt seit Jahren die gleiche Geschichte mit geringfügigen Variationen zum Thema... alle paar Mal brabbelt er einen Unsinn, den „nicht einmal ein Hund mit Butter fressen würde“ und, da bin ich sicher, er stirbt irgendwo vor Lachen, wie sie wieder einmal, unglaublich fehlerfrei, auf denselben Trick hereingefallen sind.

Gibt es wirklich jemanden in diesem Land, der ernsthaft von irgendeinem der Politiker in der RS erwartet, dass er sagt: „Jawohl… wir haben euch getötet… entschuldigt, es ist uns passiert… es ist uns entglitten… wir haben uns mitreißen lassen… was sollen wir jetzt sagen… wir werden es nie wieder tun… ihr wisst, wie es ist, wenn man trinkt (ach ja, verzeiht, ihr trinkt nicht, also wisst ihr es nicht)… hier, was wollt ihr tun, damit wir uns entschuldigen…?!“ Gemessen an den Aussagen der überwiegenden Mehrheit der bosniakischen Politiker, ist das schon an sich unglaublich, aber es stellt ernsthaft ihre geistige Gesundheit in Frage. Die Erwartung, dass jemand einen Völkermord zugibt, ist genauso wie die Erwartung, dass die politische Garnitur aus Banja Luka von sich aus die Abschaffung der RS erklärt. Zu dieser Behauptung passt auch die Stimme von Vertretern dieser „internationalen Gemeinschaft“, sowohl im Land als auch jene, die aus Brüssel und Straßburg kommen: „Nun… ihr habt ein Urteil bekommen… er wurde verurteilt… machen wir weiter, bildet eine Regierung…!“

Vor allem ist das großserbische Projekt für alle Serben eine zu ernste Angelegenheit, als dass sie es dem Zufall überlassen würden. Ich bin sicher, dass sie seit 2016, als RK durch ein erstinstanzliches Urteil zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, AV – damals in seiner Funktion als Premierminister – eine außerordentliche Sitzung seiner Regierung mit nur einem Tagesordnungspunkt einberufen hat – das Urteil und die Annullierung seiner Folgen in Form von Kollektivschuld und Verantwortung „wegen der Verbrechen, die von Einzelpersonen begangen wurden“ – alles in ihrer Macht Stehende getan haben – von der Aktivierung der Diplomatie und Subdiplomatie bis hin zur Lobbyarbeit / dem Kauf der einflussreichsten Personen, die etwas zu sagen haben. Vom Erfolg dieser Aktion, von der ich keine Ahnung habe, spricht auch die Tatsache, dass sich AV – jetzt in seiner Funktion als Präsident – nach der Berufung und dem Urteil nicht einmal zu Wort gemeldet hat. Aus dem Berufungsurteil von RK – irgendwie – verschwanden Serbien und seine großstaatlichen territorialen Ansprüche, die untrennbar mit völkermörderischen oder zumindest mit der Absicht der Umsiedlung von Völkern verbunden sind, der Name seines ehemaligen suizidalen Präsidenten wird in keiner Weise mit den Kriegen der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Verbindung gebracht, trotz unzähliger Beweise – und trotz der versteckten und umgangenen – dass das serbische Regime die serbischen Streitkräfte in Bosnien und Herzegowina logistisch, finanziell und operativ kontrollierte… wodurch die „internationale Gemeinschaft“ Serbien für alle Verbrechen – Zehntausende von Toten – in seinem Namen stillschweigend amnestierte… Da haben wir es!

Dementsprechend überrascht das Verhalten der politischen Vertreter der RS in keiner Weise: Trotz der Schlussfolgerungen einiger Genies von Parteien und Fronten aus der FBiH haben die Behörden der RS nicht nur „versucht“, sondern bereits alles getan, um nicht nur die „Politik der Verbrechen“, sondern auch die Ergebnisse dieser Politik und der Verbrechen „als öffentliches oder gesellschaftliches Gut dieses Entitäts zu etablieren“ – sie haben ein Territorium, ethnisch rein, mit einer geringen Anzahl von Nicht-Serben, ohne Migranten… ohne jegliche Aussicht auf Möglichkeiten / Gefahren(!), dass sich diese Situation bald ändern könnte. Sie sind bereit, „für den Fall der Fälle“ nicht nur mit der Reservepolizei, sondern auch mit Angehörigen von Sicherheitsagenturen und Mitgliedern von Jagdvereinen zu verteidigen.

Das Verhalten der bosniakischen Politiker und Politikerinnen(!) und sogar der pro-bosnischen (ich habe diesen Ausdruck noch nicht „verdaut“ und es scheint, dass ich ihn lange nicht verdauen werde) ist es, was… Sie sagten, was sie wussten – sie waren überrascht und nicht überrascht, sie gaben Pressemitteilungen heraus… Und das ist alles! Objektiv gesehen konnte man nicht mehr erwarten: Sie wissen und können wirklich nichts anderes tun. Das Einzige, was ihnen einfällt, ist Schlag auf Schlag… Aussage gegen Aussage… drei Tage kaufen, bis MD sich wieder eine neue gefährliche Dummheit ausdenkt und sie in die Öffentlichkeit bringt, damit sich unsere „Leute“ wieder äußern, erklären und eine Pressemitteilung herausgeben können… und so im Kreis bis 2020 oder 2022… oder bis zu dem Zeitpunkt, an dem – wie es in einer der Mitteilungen heißt – es unsinnig wird, die internationale Gemeinschaft anzurufen, denn ihr Dasein ist höchst fraglich und die Politik, die die Errungenschaften des Völkermords pflegt, kümmert sich überhaupt nicht um die Haltung der internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina.

Der öffentliche Aufruf zur Suche nach einer „institutionellen Antwort auf die Politik der Tyrannei und zur Vorbereitung auf neue Gewalt, um diese zu verhindern“ nicht nur, weil uns „die Geschichte lehrt, dass die Welt uns nicht vor denen verteidigen wird, die entgegen der Zivilisation nur das Gesetz der Gewalt kennen“, nicht einmal wegen der Tatsache, dass weder die bosniakischen noch die pro-bosnischen Kräfte(?) eine angemessene Antwort auf die Politik haben, die – wenn wir die Wahrheit sagen wollen – auf die stillschweigende Unterstützung aller Akteure stößt, die sich auf „internationale, demokratische und zivilisatorische Standards“ berufen und nach ihnen fragen… sondern vor allem und nach allem wegen der Tatsache, die wir alle ein wenig übersehen, dass der Krieg in Bosnien und Herzegowina nicht beendet, sondern gestoppt, bzw. unterbrochen wurde… und dass er beendet werden muss… das lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Gerade weil der Begriff „Mobilmachung“ in diesem Moment unheilvoll klingt, ist er der Situation am angemessensten. Ist dies vielleicht der vorletzte Aufruf zur zivilen / bürgerlichen Mobilmachung aller normalen Menschen – nämlich derer, die keinen Krieg wollen – und derer, die bisher geschwiegen haben, obwohl sie etwas zu sagen hatten, endlich zu sprechen? Denn vielleicht wird der letzte Aufruf, den sie in ihrem Leben erhalten, der zur Erfüllung ihrer ultimativen bürgerlichen Pflicht und zur (militärischen) Mobilmachung sein.
 

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