
(Patria) - Die Gesellschaft für bedrohte Völker, Abteilung für Bosnien und Herzegowina, hat sich heute anlässlich des Besuchs des Sohnes des US-Präsidenten Donald Trump Jr. in Banja Luka mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet.
Diesen Besuch bewertete die Gesellschaft für bedrohte Völker als politisch äußerst problematisches Signal und forderte konkrete Sanktionen von der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten.
- Dieser Besuch ist kein harmloser Akt der Höflichkeit, sondern ein bewusst inszeniertes politisches Ereignis. Alle, die sich demonstrativ an die Seite von Politikern wie dem serbischen Nationalisten Milorad Dodik stellen, verleihen Strukturen Legitimität, die systematisch die staatliche Ordnung Bosnien-Herzegowinas untergraben und politisch die Abspaltung der RS vorbereiten - erklärte die Direktorin der Gesellschaft für bedrohte Völker in Bosnien-Herzegowina, Belma Zulčić.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker sieht in diesem Besuch einen weiteren Versuch der US-Administration, durch internationale Kontakte nationalistische und antidemokratische Akteure in Bosnien und Herzegowina zu stärken und ihnen neue politische und wirtschaftliche Handlungsspielräume zu verschaffen.
"Die Politik von Milorad Dodik ist seit Jahren von einer systematischen sezessionistischen Agenda geprägt: Sein häufiges Infragestellen der staatlichen Institutionen Bosnien-Herzegowinas und die Blockade wichtiger Entscheidungsprozesse zielen auf die schrittweise Zerstörung der verfassungsmäßigen Ordnung des Landes ab. Eine solche Politik untergräbt nicht nur die territoriale Integrität des Staates, sondern destabilisiert gezielt den gesamten Westbalkan", betont die Gesellschaft.
Besonders kritisch bewerten sie die Rolle informeller Netzwerke um die Familie Dodik, die die staatlichen Institutionen Bosnien-Herzegowinas umgehen und klientelistische Strukturen festigen.
Mit besonderer Besorgnis weist die Gesellschaft für bedrohte Völker auf die Tatsache hin, dass die US-Sanktionen gegen Milorad Dodik, Mitglieder seiner Familie und führende Vertreter der Partei SNSD bereits Ende Oktober 2025 aufgehoben wurden, und stellt fest, dass dieser Schritt die politische Aufwertung dieser Netzwerke zusätzlich beschleunigt und ihre internationale Handlungsfähigkeit gestärkt hat.
In diesem Zusammenhang fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker von der Europäischen Union:
• gezielte Sanktionen gegen Milorad Dodik und andere politische Akteure, die aktiv zur Destabilisierung Bosnien-Herzegowinas beitragen;
• eine klare politische Distanzierung der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten von Akteuren und Netzwerken, die verfassungswidrige Sezessionsprojekte in Bosnien und Herzegowina fördern;
• die Umsetzung verbindlicher Transparenzstandards, die die vollständige Offenlegung internationaler Kontakte und wirtschaftlicher Arrangements politischer Funktionäre und ihrer Netzwerke gewährleisten, insbesondere wenn diese außerhalb institutioneller Verfahren entstehen;
• die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit in Bosnien und Herzegowina durch konsequente Unterstützung und klare Konditionalität.
- Bosnien und Herzegowina braucht verlässliche internationale Partner, die sich klar für Rechtsstaatlichkeit und territoriale Integrität einsetzen - andernfalls droht eine weitere Erosion der staatlichen Strukturen, eine dauerhafte Blockade wichtiger Institutionen und eine gefährliche Destabilisierung des gesamten Westbalkans - betont Zulčić.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker appelliert daher erneut an die Europäische Union, die Entwicklung der Ereignisse in Bosnien und Herzegowina endlich proaktiv und mit klaren politischen Instrumenten zu gestalten.
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