Die Dayton-Wahrheit, unterzeichnet in Paris: Wie ideologische Propaganda seit 30 Jahren versucht, die Aggression gegen Bosnien und Herzegowina zu verschleiern

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21:00
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Die Dayton-Wahrheit, unterzeichnet in Paris: Wie ideologische Propaganda seit 30 Jahren versucht, die Aggression gegen Bosnien und Herzegowina zu verschleiern

Von: Prof. Dr. Hazim Bašić, Mitglied des Präsidiums des Kreises 99

Eine Betrachtung einiger Aussagen von Nenad Kecmanović in der Broschüre mit dem Titel 'Die Dayton-Betrug, unterzeichnet in Paris'

'Betrug' als Titelmanipulation: Von der Anfangsthese zum Austausch von Thesen

Wenn jemand einen Text mit dem Satz beginnt: 'Dayton ist ein großer Betrug', gibt er bereits zu Beginn zu, dass ihm die Fakten nicht stark genug sind, und greift daher zu billiger propagandistischer Übertreibung. Das Dayton-Abkommen fiel nicht vom Himmel, noch wurde es von jemandem für Serben, Kroaten oder Bosniaken 'arrangiert'. Es ist das Ergebnis eines dreieinhalbjährigen, international anerkannten Angriffs auf die Republik Bosnien und Herzegowina, das Ergebnis massiver Verbrechen, Völkermord, der Belagerung von Sarajevo und Hunderttausender von Toten, Verwundeten und Vertriebenen.

Dayton begann nicht zu scheitern, weil es ein 'Betrug' war, sondern weil die politischen Eliten, auf deren Ideologie sich Kecmanović seit Jahrzehnten aufwärmt, Bosnien und Herzegowina nie als Staat akzeptiert haben, sondern nur als vorübergehende Pause auf dem Weg zur Schaffung eines 'Großserbiens'. Das ist der Kern des Problems, nicht Holbrooke, Lissabon oder der Westen. Übrigens ist die sogenannte 'ursprüngliche Dayton'-Formulierung eine nicht existierende politisch-rechtliche Qualifikation, da das Dayton-Abkommen ein Prozess ist, der bis heute andauert.

Cutileiro, Holbrooke, die Kontaktgruppe und die 'gestimmten Grenzen'

Kecmanovićs Behauptung, Holbrooke habe den Lissabonner Plan 'plagiiert', ist ebenso unsinnig wie seine Behauptung, dass es in BiH keinen Angriff, sondern einen Bürgerkrieg gab. Holbrooke war nur der Feuerwehrmann, der das Feuer löschte, das Milošević entfacht hatte. Und um es klarzustellen: Ohne die serbische Armee, das Innenministerium, das JNA-Arsenal und paramilitärische Formationen hätte es in BiH keinen Krieg gegeben, denn niemand außerhalb des großserbischen Projekts konnte ihn beginnen. Alles andere sind propagandistische Fälschungen.

Wenn Kecmanović von 'gestimmten Grenzen' spricht, verschweigt er die wichtigste Tatsache: Die Grenzen in Dayton wurden nicht nach dem Willen Washingtons festgelegt, sondern nach der Karte der bereits begangenen ethnischen Säuberungen. Hätte es keinen Völkermord in Srebrenica, keine zahlreichen Konzentrationslager (Omarska, Keraterm, Trnopolje, ...), kein Massaker in Prijedor, Foča, Višegrad, Zvornik und anderen Städten gegeben, sähe das territoriale Verhältnis anders aus. Obwohl Dayton das Opfer nicht belohnte, sondern das Verbrechen, wurde es im Namen des Friedens unter vielen Kompromissen unterzeichnet. Die heutigen Befürworter des großserbischen Projekts versuchen, Opfer zu spielen, sie würden gerne einen Teil Bosniens abspalten, aber unter der Voraussetzung einer Amnestie von der Verantwortung für die Folgen.

Die These, dass 'die Serben benachteiligt waren', weil Karadžić vom Prozess ausgeschlossen war, zielt darauf ab, zu vergessen, dass derselbe Karadžić bereits wegen Völkermords und ethnischer Säuberungen angeklagt war. Ebenso ist die Rede vom 'Zugang zur Adria' nichts anderes als eine nostalgische Besessenheit vom großserbischen Traum, Serbien über das Territorium von Bosnien und Herzegowina und Kroatien Zugang zum Meer zu verschaffen. Was Brčko betrifft, so hat die Schiedsgerichtsbarkeit keine Unterbrechung des Gebiets der Entitäten vorgenommen, sondern eine Unterbrechung des Gebiets von Bosnien und Herzegowina verhindert. Damit wurde Brčko vor der physischen Auslöschung seiner bosniakischen und kroatischen Bevölkerung gerettet, was keine angebliche 'Ungerechtigkeit gegenüber den Serben' darstellt.

Gipfel der Zynismus: 'Bosniaken vor der Kapitulation gerettet'

Das kann nur jemand schreiben, der den Völkermord verschweigt, die Belagerung von Sarajevo relativiert, die systematische Zerstörung bosnischer Städte leugnet und versucht, die offizielle Politik von Milošević in den 1990er Jahren zu vertuschen. Dayton hat die Bosniaken nicht vor dem totalen Verschwinden gerettet, sondern ihre Verteidigung, Organisation, ihren Widerstand und die Tatsache, dass sie sich trotz allem weigerten zu verschwinden, haben sie gerettet. Die Ansichten über 'die Bevölkerungsmehrheit ohne politische Bedeutung' sind eine Fortsetzung derselben Ideologie, die 1992 behauptete, dass 'die Muslime kein Recht auf einen Staat haben'. In diesen beiden Thesen, zusammen mit der Bezeichnung der Bosniaken als 'Poturice' (die als solche, in der ideologischen Sicht minderwertige Menschen, selbstverständlich nicht hierher gehören), finden sich auch Spuren des Faschismus.

Angriff auf die Hohen Repräsentanten: Strategisches Thema derer, die BiH demontieren wollen

Kecmanović forciert die Erzählung, dass die Hohen Repräsentanten 'Dayton zerstört' hätten. Das Gegenteil ist wahr: Die Hohen Repräsentanten haben die politischen Prozesse in die verfassungsmäßigen Rahmen zurückgeführt, da gerade die Republika Srpska den Staat systematisch durch Blockaden, Sezessionsversuche und offene Verletzungen von Dayton untergraben hat. Was Schmidt betrifft, so ist nicht er das Problem, sondern die offensichtliche Tatsache, dass in der Republika Srpska jeder Hauch von verfassungsmäßiger Funktionalität von BiH abgeschafft werden soll. Daher ist der Angriff auf das OHR Teil einer breiteren Strategie des Abbaus des Staates, was keine neue Idee, sondern ein altes Projekt in neuem Gewand ist.

Manipulationen über Trump, Deutschland und geopolitische 'Theorien'

Der Teil des Textes über Trump, angebliche 'geheime Versprechen' und geopolitische Spekulationen über das 'Vierte Reich' ist nichts anderes als eine politische Fantasmagorie. Das Ziel ist klar: den Eindruck zu erwecken, dass der Westen schwächer wird und Serbien und die Republika Srpska mit Russland endlich die Gelegenheit erhalten, das 'bosnische Problem zu lösen'. Aber die Fakten sind unerbittlich: Trump hat die Unterstützung für Bosnien und Herzegowina nicht eingestellt, Deutschland hat ein legitimes Interesse an der Stabilität des Westbalkans, die EU ist die einzig reale Perspektive für BiH und schließlich versucht Russland, Europa zu schwächen, indem es die Region destabilisiert. Die Rede von der 'amerikanischen Nichteinmischung' dient nur einem Ziel: die Sezession zu ermutigen.

Der letzte Teil von Kecmanovićs Text über den Krieg, die Russen in Berlin und 'eine neue Einigung' ist der typische Abschluss einer Kolumne, die auf Einschüchterung abzielt und nicht auf Analyse. Die Botschaft ist einfach: Wenn ihr uns nicht gebt, was wir 1992-1995 mit Gewalt genommen haben, werden wir eine neue Krise auslösen. Das ist keine analytische Haltung, sondern eine durchsichtige Aufforderung zu neuen politischen Erpressungen.

Das Dayton-Abkommen hat viele Mängel, aber es ist kein 'Betrug'. Betrug ist es, historische Fakten zu fälschen, Betrug ist der Versuch, Verbrechen als 'politische Ungerechtigkeit' darzustellen, BiH als vorübergehenden Fehler darzustellen, der verschwinden sollte. Und der größte Betrug an sich selbst und an eventuellen unkritischen Lesern ist, dass Bosnien und Herzegowina bis heute weder als Tatsache, noch als Realität, noch als Staat akzeptiert wird.

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