Appell deutscher Wissenschaftsbibliotheken an bosnische Politiker und Schmidt: Klären Sie so schnell wie möglich den Rechtsstatus und die Finanzierung der NUB BiH

Patria
AutorPatria
17:49
Podijeli:
Appell deutscher Wissenschaftsbibliotheken an bosnische Politiker und Schmidt: Klären Sie so schnell wie möglich den Rechtsstatus und die Finanzierung der NUB BiH

(Patria) - Der Verband ABDOS, der die nationalen Bibliotheken des deutschsprachigen Raums mit Forschungsschwerpunkt Osteuropa vereint, hat sich für den Erhalt der National- und Universitätsbibliothek (NUB) von Bosnien und Herzegowina ausgesprochen.

ABDOS teilte in einer Erklärung mit, dass sich die seit Jahrzehnten bestehende äußerst schwierige Situation, mit der die NUB BiH konfrontiert ist, in den letzten Monaten weiter verschärft habe, und zwar in einem Maße, das nicht nur ihre grundlegende Funktionsfähigkeit gefährdet, sondern ihr sogar die Schließung droht.

Die wissenschaftlichen Bibliotheken des deutschsprachigen Raums mit Schwerpunkt Osteuropa sowie ihr wichtigstes Arbeitsgremium ABDOS seien daher zutiefst besorgt, heißt es in der Erklärung.

„Die Schließung der NUB BiH wäre nicht nur eine Katastrophe für die bosnisch-herzegowinische Buch- und Bibliothekskultur und ein schwerer Schlag im Kampf um die Integrität des Staates BiH, sondern hätte auch weitreichende Folgen für die Bibliotheksarbeit und die Erforschung Südosteuropas im deutschsprachigen Raum“, heißt es in dem Appell.

In Erinnerung an die Geschichte der NUB BiH wird darauf hingewiesen, dass sie eine der wichtigsten Kultureinrichtungen des Landes ist und ihren tragischen Ruhm in den ersten Kriegsmonaten in Bosnien und Herzegowina erlangte, als sie von den Stellungen der VRS gezielt beschossen und angezündet wurde, wobei zwischen 80 und 90 Prozent des damaligen Bestands von 2,5 Millionen bibliothekarischen Einheiten verbrannten.

„Nach Kriegsende 1995 setzte sie, wie alle sieben staatlich bedeutsamen Kultureinrichtungen, ihre Aufgabe wie bisher fort, obwohl ihr Rechtsstatus und ihre Finanzierungsweise nie vollständig klar definiert und geklärt waren.

Für die NUB BiH ist kein Ministerium zuständig, sie ist nicht im Staatshaushalt berücksichtigt, sondern wird hauptsächlich projektbezogen finanziert. Um die benötigten Mittel zu beschaffen, ist die Bibliothek gezwungen, jedes Jahr erneut Anträge zu stellen, immer mit der Ungewissheit, dass diese Mittel möglicherweise nicht genehmigt werden, was oft auch der Fall ist“, heißt es in dem Appell.

Es wird auch betont, dass die Lösung und der Ausweg aus dieser völlig unhaltbaren Situation seit Jahren von Politikern und anderen verantwortlichen Akteuren in Bosnien und Herzegowina vernachlässigt und sogar blockiert werden. Diese Situation betreffe nicht nur BiH, sondern auch die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft.

„Da dieses Balkanland historisch und gesellschaftlich eng mit dem gesamten Raum des ehemaligen Osmanischen Reiches und ebenso mit dem deutschsprachigen Raum verbunden ist, genießen Forschungen zu Südosteuropa an Universitäten des deutschsprachigen Raums hohes Ansehen und stoßen auf wachsendes Interesse – unter anderem auch deshalb, weil nicht wenige Studierende und Forschende mit Südosteuropa auch familiär verbunden sind.

Unter den gegenwärtigen Umständen ist die Versorgung der wissenschaftlichen Gemeinschaft mit relevanten Informationen erheblich erschwert: Die Beschaffung von Literatur aus Bosnien und Herzegowina für Bibliotheken im deutschsprachigen Raum ist eingeschränkt.

Die Schließung der NUB BiH, zusammen mit ihren ISBN- und ISSN-Zentren, würde dazu führen, dass bedeutende Grundlagenforschungen zur bosnischen Geschichte – sei es zur osmanischen und österreichisch-ungarischen Zeit, zum Ustascha-Regime während des Zweiten Weltkriegs, zum jugoslawischen Sozialismus oder zum Bosnienkrieg – nicht mehr veröffentlicht werden könnten“, heißt es in der Mitteilung.

Der Verband weist auch darauf hin, dass die NUB BiH mit ihrer Arbeit nicht nur die Wissenschaft, sondern entscheidend auch die Zivilgesellschaft unterstützt.

„Sie garantiert verlässliche Informationen und fördert einen demokratisch geführten Dialog zwischen verschiedenen Völkern, der auf gegenseitiger Achtung basiert – ein Dialog, der schließlich auch Voraussetzung für erfolgreiche Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union ist.

ABDOS appelliert an alle Entscheidungsträger, insbesondere an die bosnischen Politiker und den Hohen Repräsentanten Christian Schmidt, den Rechtsstatus und die Finanzierung der Bibliothek so schnell wie möglich zu klären und damit den Fortbestand dieser angesehenen Institution zu sichern“, heißt es weiter in der Mitteilung des ABDOS-Vorstands.

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