
Bosnier und Herzegowiner haben viele Gründe, nach Veränderungen zu suchen, aber leider wird sich wahrscheinlich der Status quo durchsetzen, schreibt die angesehene amerikanische Zeitschrift „Foreign Affairs“, die vom Council on Foreign Relations, einer einflussreichen Nichtregierungsorganisation mit Sitz in New York, herausgegeben wird, meldet die bosnisch-herzegowinische Nachrichtenagentur Patria (NAP).
Die Autorin des Artikels, Milada Vachudova, erläutert in einem ausführlichen Text die Komplexität der Situation in Bosnien und Herzegowina nach Dayton, behauptet jedoch, dass es auf diese Weise schwer zu Veränderungen kommen wird, und nennt drei Gründe dafür.
- An erster Stelle unterstützen die Demonstranten in der Föderation keine alternative politische Partei. So wie die Dinge stehen, können sie die Macht nicht stürzen, da sie niemanden mehr haben, den sie wählen können. Politische Parteien, nicht zivile Initiativen, gehen zu Wahlen und bilden Regierungen. In einer Demokratie werden Bürgerbewegungen immer aus dem Schatten von politischen Parteien gesteuert. Wenn Bosnien und Herzegowina Veränderungen will, braucht es entweder neue Parteien oder Veränderungen in den alten. Politische Parteien kontrollieren eine große Anzahl von Arbeitsplätzen, und deshalb wählen die Wähler selbst den Status quo – heißt es in dem Text.
Zweitens, so die Autorin, ist jede wesentliche Änderung von Dayton ohne die Achtung des ethnischen Prinzips nicht möglich. Die Hauptinteressen der großen Mehrheit in Bosnien und Herzegowina basieren weiterhin auf der ethnischen Identität.
Als dritter Grund wird die Tatsache genannt, dass die bosnisch-herzegowinischen Führer die Europäische Union überlistet haben, da die europäischen Reformen im Wesentlichen immer von den Regierungen und Eliten vorangetrieben werden. Die EU hat es jedoch nicht geschafft, die politischen Führer von Bosnien und Herzegowina zur Zusammenarbeit zu zwingen.
- Die EU hat eine lange Tradition, die europäische Erweiterung als Druckmittel auf Länder im Integrationsprozess zu nutzen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn die politischen Führer das Gefühl haben, dass die Erfüllung dieser Bedingungen ihnen den Sieg bei den Wahlen bringt, was in Bosnien und Herzegowina leider nicht der Fall ist. Darüber hinaus ist die Sejdić-Finci-Bedingung eine gute Ausrede für Politiker, da nicht einmal ein Teil der europäischen Länder alle Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte respektiert – heißt es in dem Text.
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