
SARAJEVO, (Patria) - Das Interview mit der Generaldirektorin des Klinischen Zentrums der Universität Sarajevo, Dr. Sebija Izetbegović, das einige Tage zuvor aus dem Programmplan von BHT zurückgezogen worden war, wurde dennoch gestern Abend ausgestrahlt.
Der staatliche Fernsehsender Bosnien und Herzegowinas hatte das Interview mit Dr. Izetbegović letzte Woche angekündigt, doch das Interview wurde abrupt aus dem Programmplan gestrichen, was in der bosnischen Öffentlichkeit scharfe Kritik hervorrief. Weder die Redaktion von BHT noch das KCUS gaben der Öffentlichkeit präzise Angaben darüber, warum die Ausstrahlung des angekündigten Interviews gestoppt wurde.
Medien berichteten inoffiziell, dass Dr. Izetbegović einige Aufnahmen im Interview nicht gefielen, weshalb sie die Ausstrahlung stoppte.
„Es ist völlig legitim, dass ein Gesprächspartner ein Interview stoppt, wenn er mit bestimmten Teilen unzufrieden ist, aber es ist ebenso korrekt, die Öffentlichkeit darüber zu informieren“, kommentierten Medienexperten.
In dem am Samstagabend ausgestrahlten Interview ist zu bemerken, dass Dr. Izetbegović zu Beginn und am Ende des Interviews nicht denselben Mantel trägt. Beispielsweise hat Dr. Izetbegović zu Beginn des Interviews auf der linken Manteltasche keinerlei Aufschrift, während am Ende des Interviews auf derselben Tasche die Aufschrift „Prof. Dr. Sebija Izetbegović“ steht. Auch der Kragen des Mantels zu Beginn und am Ende des Interviews ist nicht identisch, ebenso wie einige andere Details im Bild.
„Es gibt nur zwei Erklärungen: Entweder wurde auch das ursprüngliche Interview in zwei Teilen aufgenommen, was absolut möglich und legitim ist, oder die Medien hatten recht, als sie kritisierten, dass Dr. Izetbegović einige Teile des Interviews nicht gefielen, was nachträglich korrigiert und dann ausgestrahlt wurde“, lautet einer der Kommentare in den sozialen Netzwerken.
Der langjährige Radio- und Fernsehjournalist Sanel Kajan sagt gegenüber der Agentur Patria, dass das Aufnehmen, Unterbrechen und erneute Fortsetzen der Aufnahme eines Gesprächs mit einem Gesprächspartner nur dann erlaubt sei, wenn sich der Gesprächspartner unwohl fühle, ihm (stark) etwas dazwischenkomme oder ein größerer technischer Fehler auftrete. In diesem Fall könne die Aufnahme unterbrochen werden, um die Schwierigkeiten zu beheben, und das Gespräch werde fortgesetzt – mit einer kurzen Pause. Eine Pause von mehreren Tagen zu machen, hält Kajan dennoch für unprofessionell.
„Offensichtlich wurde dieses Interview nachträglich aufgenommen und im Schnitt zusammengesetzt. Im konkreten Fall von Professorin Izetbegović wurde dies auf unprofessionelle Weise gemacht. BHT als öffentlich-rechtlicher Sender hätte sich dies nicht erlauben dürfen“, meint Kajan. Er möchte nicht auf den eigentlichen Inhalt des Interviews eingehen. Er unterstütze jede Rede über Missbrauch in öffentlichen Einrichtungen. Dennoch, so sagt er, hätten diese Dinge offenbar ernsthafte Versäumnisse überschattet, die einem öffentlich-rechtlichen Sender nicht hätten passieren dürfen, ohne dass der Öffentlichkeit auch nur einen Moment lang eine ernsthafte Erklärung angeboten worden wäre.
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