Vučićs Militärparade – Einheit auf dem Papier, politische Manipulation in der Praxis

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Vučićs Militärparade – Einheit auf dem Papier, politische Manipulation in der Praxis

Schreibt: Prof. Dr. Hazim Bašić, Mitglied des Präsidiums von Krug 99

Globale Sicherheitsherausforderungen, Instabilität und Kriege haben zur Unterzeichnung von Abkommen über militärische Zusammenarbeit zwischen Staaten in verschiedenen Teilen der Welt geführt. So wurden kürzlich Abkommen zwischen Kroatien, Kosovo und Albanien, später auch zwischen Kroatien und Slowenien, dann zwischen Serbien und Ungarn und kürzlich zwischen Saudi-Arabien und Pakistan geschlossen. Die Ziele solcher Abkommen sind in der Regel die Stärkung der Verteidigungskapazitäten, die Zusammenarbeit im Bereich der Rüstungsindustrie, Ausbildung und gemeinsame Übungen, die Bekämpfung hybrider Bedrohungen usw. In diesem Kontext lässt sich ein Teil der Motive für die Organisation der Militärparade in Serbien suchen. Die serbische Opposition ist jedoch der Ansicht, dass es sich um einen Regierungsspin über eine äußere Gefahr handelt und dass das Regime tatsächlich ständige Instabilität und eine Atmosphäre der Bedrohung des Staates benötigt.

Generell betrachtet veranstalten totalitäre und autoritäre Regime häufiger und massivere Militärparaden (z. B. die ehemalige UdSSR, Nordkorea, China, Russland). Ihr Ziel ist in der Regel die Demonstration von Stärke, die Legitimierung der Macht, die Mobilisierung der Bevölkerung und die Schaffung eines Bildes von Einheit und Macht. Angesichts des Charakters solcher Regime senden diese Machtrituale eine zusammenfassende Botschaft wie: „Staat, Armee und Regierung sind eins und gemeinsam unbesiegbar.“ Paraden werden oft von Massenchoreografien, ideologischen Slogans und Propagandaeffekten begleitet. So wurde auch diese Parade „Stärke der Einheit“ genannt, wobei der Begriff der Einheit unterschiedlich interpretiert und problematisiert werden kann.

Andererseits organisieren liberal-demokratische Länder seltener Militärparaden dieser Art, z. B. die meisten westlichen Staaten (USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland). Militärparaden werden nur zu besonderen Anlässen organisiert (Nationalfeiertage, Jahrestage von Kriegssiegen, Unabhängigkeitsfeiern). Zum Beispiel: der 14. Juli (Bastille-Tag in Frankreich), der Unabhängigkeitstag am 4. Juli in den USA (mit kleineren militärischen Elementen), der Tag des Sieges in Großbritannien usw. In liberal-demokratischen Gesellschaften ist das Ziel der Paraden die Feier historischer Ereignisse, die Ehrung von Soldaten, die Erinnerung an Traditionen, und die zusammenfassende Botschaft könnte auf Folgendes reduziert werden: „Die Armee steht im Dienste der Bürger und des Staates“, nicht im Dienste einer Ideologie.

Im Fall von Vučićs Militärparade sind Analysten der Ansicht, dass sie keine klare historische Rechtfertigung hat, dass es sich nicht um den Jahrestag eines großen Sieges oder ein ähnliches Datum handelt. Militäranalysten sind der Ansicht, dass das Format der Parade selbst überdimensioniert ist, was sich auf ihre Gesamtkosten auswirken wird, worüber in den kommenden Tagen wahrscheinlich noch gesprochen wird.

Der nominelle Anlass für die Parade ist Vučićs kürzlich erdachter Feiertag mit dem sperrigen Namen „Tag der serbischen Einheit, Freiheit und Nationalflagge“. Gerade der Name dieses Feiertags und der Versuch, ihn den bosnischen Serben aufzuzwingen, die mit diesem Feiertag nichts zu tun haben, sind der Anlass für das Verfassen dieses Textes. Aus der Perspektive Bosnien und Herzegowinas werden sowohl der Feiertag als auch die Parade im Kontext der Schaffung einer „(All)serbischen Welt“ betrachtet, und zwar auf der Grundlage der phantomhaften Deklaration von 2024.

Die Parade selbst, deren Dauer sich mit den Vorbereitungen über ganze zwei Wochen erstreckt hat, findet fünf Tage nach dem proklamierten Feiertag statt, in einer Zeit tiefer gesellschaftlicher Spaltungen und großer regierungsfeindlicher Proteste. Die Proteste wurden von Studenten begonnen, die die Fakultäten blockierten und auf die Straße gingen, mit der Forderung nach einem besseren, freien, demokratischen Staat, freien Medien und freien Wahlen. Allerdings haben sich die Studentenproteste in ideologische Imaginationen verirrt, und ihre Kraft schwächt naturgemäß kontinuierlich. Daher kann man annehmen, dass der Zweck der Parade dennoch dominant politisch und innerstaatlich ist, mit dem Ziel, die Zustimmungswerte des Präsidenten selbst zu steigern und auch ungehorsame Bürger einzuschüchtern.

Paradoxerweise tragen gerade die Schritte, die Vučićs Regime unternimmt, dazu bei, dass es in Serbien weder Einheit noch Freiheit gibt, zwei Schlüsselwörter aus dem Namen des neu aufgezwungenen Feiertags. Die Gesellschaft ist scharf polarisiert, uneinig, und Vučić selbst teilt die Bürger täglich in „uns“ und „sie“. Ebenso vertieft sich die traditionelle Spaltung in originäre und vorkosovo-orientierte Serben in den letzten Jahren, sogar mit zunehmenden Antagonismen, wofür wiederum Vučićs Regime verantwortlich ist. Erinnern wir uns daran, dass eine beträchtliche Anzahl von Teilnehmern der regimefreundlichen Kundgebung in Sremska Mitrovica aus Bosnien herbeigeschafft wurde. Ebenso gibt es immer weniger Freiheit, solange die Polizei oder maskierte Schläger Studenten und Bürger verprügeln und festnehmen, solange sie in Fakultäten eindringen und damit die Autonomie der Universität untergraben.

Schließlich problematisiert ein Teil der serbischen Öffentlichkeit auch das dritte Element aus dem Namen von Vučićs Feiertag – die Flagge. Sie sind der Ansicht, dass die Flagge durch die Kriege der 1990er Jahre kompromittiert wurde, aber auch durch den Präsidenten selbst, als er sich während der Verabschiedung der Resolution über den Völkermord in Srebrenica in der UN-Vollversammlung in sie hüllte. An diesem Tag hallte im Sitzungssaal der UNO das Wort „Völkermord“ unzählige Male in den Ohren der Delegationen der Mitgliedsstaaten wider, und während der Abstimmung hatten sie die serbische Flagge vor Augen, die um den Präsidenten geschlungen war. Ein Teil der serbischen Bürger ist der Ansicht, dass diese Flagge durch die ursprüngliche Flagge aus der Zeit des Sretenje-Verfassung ersetzt werden sollte.

Das gesamte Verhältnis des serbischen Regimes gegenüber Bosnien und Herzegowina wird am besten durch das jüngste Verhalten von Verteidigungsminister Bratislav Gašić illustriert, der als Gast nicht aufstehen wollte, als die Nationalhymne in Banja Luka intoniert wurde. Ein solches Verhalten ist eine Kombination aus häuslicher und regimebedingter, parteipolitischer Erziehung.

Da Vučićs Regime bereits seit geraumer Zeit recht erfolgreich mit den Studentenprotesten umgeht, wird dieses Ereignis sicherlich einen wichtigen Platz in seinem im Frühjahr angekündigten Buch mit dem Titel „Wie ich die Farbrevolution besiegt habe“ finden. Sieger schreiben die Geschichte.

Interessant ist, dass es in Kroatien mehr Interesse, Analysen und Reaktionen in Bezug auf die Militärparade gab als in Bosnien und Herzegowina. In Kroatien fand am selben Tag eine kleinere Parade im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zur Schlacht um Vukovar statt. Die Bosnier könnten vielleicht Interesse zeigen, wenn das angekündigte Buch doch noch aus der Presse kommt. Dieses Interesse stünde freilich nicht im Zusammenhang mit dem Buch.

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