
Geschrieben von: Amina Čorbo-Zećo
Heute ist es 32 Jahre her seit einem der schlimmsten Tage im belagerten Sarajevo.
Heute ist der Tag, an dem wir uns erinnern, der 10. November 1993, der Tag, an dem die Stadt erneut blutete.
Von den aggressiven Stellungen der Armee der Republika Srpska, aus dem Gebiet von Nedžarići, wurden drei Mörsergranaten vom Kaliber 82 mm abgefeuert. Sie trafen die Straßen Žrtava fašizma und Ilije Engela dort, wo Menschen lebten, gingen, Brot trugen, sich unterhielten, vielleicht nur versuchten zu spüren, dass das Leben noch existiert.
Auf dem Kinderspielplatz deutete alles auf Leben und Freude hin. Und dann hörte in einem Moment alles auf.
Elma Geko, Slavojka Govedarica, Semir Haseta, Amina Hećo, Ajdin Hodžić, Ibrahim Huskić, Vinko Lončar, Silvijo Mačorović und Božidar Šuko – neun von ihnen überlebten nicht.
Achtunddreißig Menschen aus Sarajevo wurden verletzt. Sie, sowie die Familien der Getöteten, warten noch heute auf Gerechtigkeit!
Das sind nicht nur Zahlen, das sind Namen, Gesichter, Familien, Kindheiten, die ihre Träume nicht erreichen konnten. Unter den Verletzten gibt es diejenigen, die diesen Tag als ihren zweiten Geburtstag feiern!
Für dieses Verbrechen, wie auch für viele andere, die gegen Sarajevo begangen wurden, blieb die Gerechtigkeit unvollendet. Denn es gibt einfach keine Anklage wegen der Belagerung von Sarajevo.
Konkret wurde der unmittelbare Täter für diese verbrecherische Tat nie gefunden. Und dieser Text ist keine Selbstmitleid, sondern ein Schrei an diejenigen, die ihre Arbeit nicht ehrenhaft verrichten. Sie sind derzeit bei der Staatsanwaltschaft von Bosnien und Herzegowina. Alle ohne Ausnahme!
Nun noch näher am Absurden. SIPA hat drei Jahrzehnte später erst letztes Jahr einen Zeugen vernommen und die Zustimmung der Überlebenden eingeholt, den Fall nach Serbien zu schicken, das Land, in das die Verantwortlichen geflohen sind und das sie nicht ausliefern will.
„Eine solche „Gerechtigkeit“ schmerzt mich genauso wie die Granaten“, wird ein Zeuge sagen, damals ein Junge, heute ein erwachsener Mann, der auf Gerechtigkeit wartet.
Die Urteile gegen Galić, Milošević und Mladić sind Schritte, aber nicht ausreichend. Gerechtigkeit liegt nicht nur in Gefängnissen, sie liegt in der Wahrheit.
Darin, dass darüber gesprochen wird, dass es nicht vergessen wird, dass jeden 10. November, aber auch an allen anderen Tagen, darüber gesprochen und nach der Wahrheit gesucht wird.
Denn wenn wir vergessen, wer wird sich dann an sie erinnern? Wenn wir schweigen, wer wird dann die Wahrheit sagen?
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